AKTIE IM FOKUS: Grammer reagieren nicht auf Gerichtsentscheidung

Hastor hatte gerichtlich versucht, Jifeng eine Aufstockung seines Aktienanteils bei Grammer zu verbieten. "Wir werden uns das - routinemäßig - auf möglichen Marktmissbrauch wie Insiderhandel und Marktmanipulation hin ansehen", erklärte eine Behördensprecherin.

Laut Aufsichtsratschef des Autozulieferers Grammer hat der Machtkampf mit den Investoren der Familie Hastor für eine Halbierung der Auftragseingänge im ersten Quartal gesorgt.

Der Aufsichtsratschef von Grammer, Klaus Probst, warf dem Investor vor, wegen des von ihm ausgelösten Machtkampfs habe Grammer Aufträge verloren. Nach dem Vorstoß der Hastors bei Grammer hätten viele Großkunden angekündigt, ihre Geschäftsbeziehung zu überprüfen. Auch der Börsenkurs von Grammer hatte am Donnerstag bereits nachgegeben. Dort möchte der Investor die Kontrolle über die Grammer AG übernehmen.

Das Hauptproblem: Das Verhältnis der Hastors zum größten Grammer-Kunden Volkswagen ist gestört, weil die Hastor-Firmengruppe Prevent die Bänder bei VW in Wolfsburg und Emden im vergangenen August mit einem Lieferstopp zum Stillstand gebracht hatte. Grammer ist jedoch auf gute Beziehungen zu VW angewiesen. "Wir haben von Anfang an gesehen, dass die großen Autohersteller das Investment der Familie Hastor sehr negativ betrachten", sagte er der "WirtschaftsWoche".

"Meine Einschätzung ist, dass der Einstieg der Familie Hastor Grammer und vielleicht sogar Prevent die Zukunft kostet", sagte Probst dem Magazin. "Ich erinnere aber daran, dass nach unserem Verständnis der sozialen Marktwirtschaft vor allem Großaktionäre eines Unternehmens auch soziale Verantwortung für Mitarbeiter und Arbeitsplätze tragen", so die Ministerin.

Grund für den Auftragsrückgang sollen die Aktienkäufe von Investmentgesellschaften sein, die Mitgliedern der Familie Hastor zuzurechnen sind. Einkäufer und Risikomanager hätten die Grammer-Führung "zum Gespräch zitiert". Wer sich auf der Grammer-Hauptversammlung am 24. Mai durchsetze, sei "noch völlig offen", sagt Probst.

Grammer machte 2016 mit weltweit 12.000 Mitarbeitern 1,7 Milliarden Euro Umsatz und 45 Millionen Euro Gewinn.

Die Investorenfamilie Hastor, der die Zulieferergruppe Prevent gehört, hatte über zwei Gesellschaften zwischen 20 und 30 Prozent der Anteile am Sitzhersteller Grammer übernommen und strebt bei der Hauptversammlung am kommenden Mittwoch eine teilweise Neubesetzung des Aufsichtsrats sowie eine Ablösung des Vorstandschefs Hartmut Müller an. Kleiner, aber profitabler ist das Geschäft mit Sitzen für Traktoren und Lastwagen.

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