Guardian veröffentlicht Dokumente mit Einzelheiten: Wann löscht Facebook Posts und warum?

Die Enthüllung des Guardian zeigt eine Welt schwieriger Entscheidungen. "Ganz egal, wo man die Grenze zieht, es wird immer Grauzonen geben". Das soziale Netzwerk hat Besserung versprochen und seine Richtlinien für das Löschen von Postings verschärft.

Auf Nachfrage von BILD verwies Facebook auf das Statement von Monica Bickert, der Head of Global Policy Management, das auch vom Guardian zitiert wird.

Die britische Zeitung "The Guardian" hat jetzt Einblick in interne Facebook-Unterlagen bekommen, in denen dieser Zwiespalt offensichtlich wird.

Konkret geht es um mehr als hundert Seiten aus internen Trainingshandbüchern, Tabellen, Schaubilder und Arbeitsabläufe.

Facebook war mehrfach in die Schlagzeilen geraten, weil User Videos von Vergewaltigungen, Tötungsdelikten und anderen Gewalttaten live sendeten. "Facebook kann seine Inhalte nicht unter Kontrolle halten", sagte ein Facebook-Angestellter.

So hatte Facebook im September 2016 das Foto des vietnamesischen Mädchens Kim Phuc gelöscht.

Zum Thema Nacktheit und Sex heißt es: Diese dürften gezeigt werden, wenn es um Darstellungen in "handgemachter" Kunst geht.

Eine klare Linie ist allerdings kaum auszumachen, stattdessen müssen die weltweit etwa 4.500 Facebook-Aufpasser eine Unmenge an verschiedenen Regeln beachten und umsetzen. Laut der Aussage eines anonymen Mitarbeiters hätten Moderatoren oft gerade einmal zehn Sekunden Zeit, um eine solche Entscheidung zu treffen. "Bei Videos, glauben wir, dass Minderjährige geschützt werden müssen und Erwachsene wählen können sollen". Facebook will nach eigenen Angaben niemanden zensieren oder bestrafen, der sich in einer Notlage befindet.

Bei Tierquälerei zeigt das Facebook-Regelwerk eine hohe Toleranzschwelle. Künstlerische Abbildungen von Nacktheit, die wiederum auf digitalem Wege erschaffen wurden, sind nicht erlaubt. Facebook habe dies bestätigt und erklärt, dass derartige Bilder mit der Absicht erlaubt würden, dem "Kind zu helfen" - gemeint ist damit wohl, dass Verwandte, Bekannte oder Ermittlungsbehörden alarmiert werden könnten. "Wir löschen die bildliche Darstellung von Kindesmissbrauch, wenn sie bei der Veröffentlichung von Sadismus und Freude begleitet sind". Auch nicht-sexueller Kindesmissbrauch wird erst sanktioniert, wenn es sadistische Tendenzen gibt. Bei äußerst verstörenden Bildern soll es auch hier wieder eine entsprechende Vorwarnung für die Nutzer geben. Jedoch ebenfalls nur, solange die Gewalt gegen Tiere nicht positiv dargestellt werde. Moderatoren bei Facebook haben viel Arbeit, wenig Zeit und schwammige Richtlinien. Menschen bewerteten unterschiedlich, was angemessen sei und was nicht. "Aus dieser Perspektive sind Ausdrücke wie ‚Ich werde dich töten' nicht glaubwürdig und ein heftiger Ausdruck von Abneigung und Frustration". Grund: Sie können etwa das Bewusstsein für mentale Leiden schaffen, berichtet der Guardian. Ein Schaubild verdeutlicht: "Erschieß doch jemand Trump" bleibt verboten, derweil Sätze wie "Tretet eine Person mit roten Haaren"; "Um den Hals einer Schlampe zu brechen, stellt sicher, dass ihr all euren Druck auf die Mitte ihrer Kehle konzentriert" und "Lasst uns fette Kinder verprügeln" demnach erlaubt sein sollen.

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