Kushner schlug geheimen Draht zum Kreml vor

Ziel sei es, der nicht abreißenden Serie schädlicher Enthüllungen im Zusammenhang mit Kontakten seines Wahlkampflagers zu Russland in Zukunft aggressiver und nachdrücklicher entgegenzutreten. Eine für diese Woche geplante Grosskundgebung in Iowa sagte Trump ab.

Der Schwiegersohn und Berater des Präsidenten, Jared Kushner, soll zur Unzeit den allzu direkten Draht nach Moskau gesucht haben. Weiteren Insiderinformationen zufolge bereitet das US-Präsidialamt die Gründung eines Spezialteams vor, das die Vorwürfe über eine Einflussnahme Russlands auf Trump abwehren und ihn im Land besser in Szene setzen soll. Kushner soll ihm vorgeschlagen haben, eine abhörsichere Kommunikationsvorrichtung in einer russischen Vertretung in den USA einzurichten.

Der Zeitung zufolge denkt Trump auch daran, besonders offensiv auftretende ehemalige Wahlkampfmitarbeiter zurückzurufen. Diskussionen mit ihnen über die Einrichtung eines "War Rooms" - Strategiezentrums in Krisenzeiten - seien im Gange. Es hätte es also auch erfahren, wenn ein Mitglied aus Trumps Team in der Botschaft ein- und ausgegangen wäre, zitierte das Blatt einen früheren US-Geheimdienstbeamten, der zudem fragte: "Wie hätte er (Kushner) auch darauf bauen könne, dass die Russen nicht ihrerseits etwas an die Öffentlichkeit lancieren?"

Weder Kushner noch Trump, der am Samstagabend von seiner ersten Auslandsreise in Washington zurückerwartet wurde, haben bisher zu den in US-Medien als "Bombe" bezeichneten Berichten detailliert Stellung genommen. Trump startete aber schon gleich am Sonntagmorgen - wenige Stunden nach seiner Rückkehr - einen neuen Angriff gegen die Medien. Per Twitter sprach er von "fabrizierten Lügen" die angeblich aus dem Präsidialamt stammten, tatsächlich aber von sogenannten Falschnachrichtenmedien verbreitet würden. Wann immer man die Wörter "Quellen sagen" in den "fake news media" sehe und keine Namen genannt würden, sei es sehr möglich, dass diese Quellen erfunden seien: "Fake News Media sind der Feind!"

Kushner hatte sich nach Berichten von "Washington Post" und "New York Times" im Dezember beim russischen Botschafter in den USA mit einer ungewöhnlichen Bitte gemeldet: Er regte geheime Gespräche mit der russischen Regierung über die gesicherten Informationskanäle der russischen Diplomaten nach Moskau an. Die Zeitung berief sich dabei auf nicht namentlich genannte Regierungsbeamte. Es soll geklärt werden, ob Russland im Wahlkampf zugunsten Trumps mitgemischt hat und ob es Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland gab. Kisljak war dem Bericht zufolge über den Vorstoss erstaunt und informierte seine Vorgesetzten.

Kushner muss von morgen an vor den Geheimdienstausschüssen des Kongresses aussagen. Kushner gehörte damals dem Trump-Übergangsteam an. Nach geheimdienstlichen Erkenntnissen versuchte Moskau aktiv, die Präsidentenwahl zu Trumps Gunsten zu beeinflussen. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob es Absprachen zwischen beiden Seiten und Versuche einer Vertuschung gegeben hat, die als Rechtsbehinderung geahndet werden könnten. Kushner hatte sein Treffen mit Kisljak zunächst nicht pflichtgemäß angegeben, dies jedoch später nachgeholt. Weil Kushner von der Bundespolizei FBI als "Person des Interesses" in der Affäre um die mutmaßliche Zusammenarbeit von Trump-Leuten und Kreml während der US-Wahl 2016 eingestuft wird, bekommt die Angelegenheit zusätzliche Sprengkraft. Der Botschafter soll darüber "verblüfft" gewesen sein, schrieb die "Washington Post".

Ausgabe: