ROUNDUP: Macron macht Konservativen Philippe zum Premierminister

Aber eine gute Karte ist es allemal: Denn mit der Ernennung des Konservativen Edouard Philippe zum Premierminister hat er einen Köder ausgelegt, der andere Konservative verlocken soll, es dem 46-jährigen Philippe nachzutun und sich Macron und seiner Bewegung "La République en Marche" anzuschließen.

Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron nach seiner Amtseinführung in Paris. Der sozialliberale Macron will vor der im Juni anstehenden Parlamentswahl ein breites politisches Bündnis schmieden, um sich eine Regierungsmehrheit für seine Reformvorhaben zu sichern. Französische Medien hatten Philippe schon länger als möglichen Kandidaten genannt. Während des diesjährigen Präsidentschaftswahlkampfes schrieb er eine Kolumne für die linke Tageszeitung "Liberation". Der langjährige Vertraute des früheren Premierministers und Mitte-rechts-Politikers Alain Juppé war der breiteren Öffentlichkeit aber bisher unbekannt. Vor einem halben Jahr noch hoffte Philippe, unter einem Präsidenten Juppé ins Hotel Matignon, den Pariser Amtssitz des Premiers, einziehen zu können. Seine Partei "En Marche!" ist bislang nicht im Parlament vertreten.

Der unabhängige Mitte-Politiker Macron hatte die Präsidentschaftswahl mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen gewonnen. Es ist in Frankreich höchst ungewöhnlich, dass ein Präsident aus freien Stücken einen Politiker aus einem anderen politischen Lager zum Regierungschef macht.

Wie Macron hat Philippe die Verwaltungshochschule ENA besucht.

Stuttgart - Frankreichs neuer Staatschef hat im Parlamentswahlpoker die nächste Karte ausgespielt. Später näherte sich Philippe den Konservativen an, engagierte sich ab 2001 in der Lokalpolitik in Le Havre und beteiligte sich 2002 an der Neugründung der rechtsbürgerlichen UMP an der Seite Juppés. Das hat er mit Präsident Macron gemeinsam, der ebenfalls die beiden wichtigen Kaderschmieden durchlief. Wie Macron, der zwischenzeitlich bei der Investmentbank Rothschild anheuerte, sammelte Philippe Erfahrungen in der Privatwirtschaft.

2010 wurde der verheiratete Vater von drei Kindern Bürgermeister von Le Havre, wo sein Großvater einst Hafenarbeiter war. "Was sicher ist: Edouard senkt den Blick nicht vor Sarkozy", sagt ein Freund des Abgeordneten und Boxfans.

Der Konservative Edouard Philippe wird Premierminister Frankreichs. Die Arbeit des Regierungschefs ist ein Knochenjob. "Gebt die ganze Macht nicht Herrn Macron und seinem Premierminister". Die Ernennung Philippes werde die Rechte zerbrechen, hieß es jedenfalls am Montag aus Macrons Umfeld. Der Generalsekretär der Republikaner, Bernard Accoyer, reagierte auf die Personalie denn auch reserviert. "Ich bin ein Mann der Rechten, aber ich weiß, dass das Allgemeinwohl alles Engagement bestimmen sollte", bekannte der Amateurboxer gestern in seiner Ansprache.

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