Staatsoberhaupt - Amtseinführung im Élyséepalast: Macron will

Nach einem halbstündigen Gespräch verabschiedete Macron seinen Vorgänger, der den Palast daraufhin verließ. "Sie brauchen ein starkes Frankreich", sagte Macron.

Bayerns Finanzminister Markus Söder erteilte Macrons Forderungen zur Reform der europäischen Finanzpolitik eine Absage.

Vor einer Woche hatte Macron die Stichwahl gegen die rechtsextreme Marine Le Pen vom "Front National" mit 63 Prozent der Stimmen gewonnen.

Emmanuel Macron wurde am Sonntag mit viel Pomp in sein Amt als französischer Präsident eingeführt. Er wolle alles tun, um "die Kraft und den Wohlstand" des Landes zu stärken und kündigte an, nicht von seinem Reformprogramm abzurücken.

Frankreich leidet seit Jahren unter einer hohen Arbeitslosigkeit und war in den vergangenen Jahren das Ziel mehrerer schwerer Terroranschläge. Er wolle den Franzosen das "Selbstvertrauen zurückerstatten, dass schon lange geschwächt wurde". Es folgt das Versprechen, entschlossen weiterzumachen, zu sämtlichen Verpflichtungen zu stehen, die er gegenüber den Franzosen eingegangen sei.

Mit einer Botschaft der Zuversicht hat der neue französische Präsident Macron sein Amt angetreten. Die Europäische Union müsse "wirksamer, demokratischer, politischer" werden, sagte er. Nach Macrons pünktlichem Eintreffen um 10.00 Uhr gab es am Eingang zum Präsidentenpalast ein Händeschütteln mit Hollande.

Was nicht heißt, dass der vom scheidenden François Hollande im Palast empfangene Nachfolger dem Protokoll nicht zu genügen wüsste.

Der jüngste Präsident der französischen Geschichte übernimmt die Amtsgeschäfte. Vom Invalidendom dringt Kanonendonner herüber: 21 Schüsse - wie zu Zeiten der Monarchie. Eine Reiter- und Motorrad-Eskorte der Republikanischen Garde begleitete den Staatschef am Sonntag bei der traditionellen Fahrt zum Triumphbogen.

Macron blieb bei seinem Auftritt, der von 1500 Soldaten und Polizisten bewacht wurde, aber weitgehend trocken - im Gegensatz zu Hollande, der vor fünf Jahren wie ein begossener Pudel in seinem offenen Fahrzeug gestanden hatte.

Der berühmte Boulevard war mit zahlreichen Frankreichfahnen geschmückt, Anhänger Macrons bejubelten den neuen Staatschef. Noch am gleichen Tag wird der Präsident dann Paris und dem Palastleben den Rücken kehren und der Bundeskanzlerin einen Antrittsbesuch abstatten. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Macron zuletzt eine enge Kooperation angeboten und hervorgehoben, dass dieser sich in seinem Wahlkampf leidenschaftlich für Europa eingesetzt habe. Er will mittelfristig einen eigenen Haushalt und einen Finanzminister für die Eurozone.

Zu seinem diplomatischen Berater ernannte Macron den derzeitigen Botschafter seines Landes in Berlin, Philippe Etienne. Die Personalie ist eine Richtungsentscheidung auch mit Blick auf die französischen Parlamentswahlen im Juni.

Am Montag soll die neue Regierung gebildet werden. Dazu passend hat er den Gewerkschaften, die die von ihm sofort beabsichtigte weitere Liberalisierung des Arbeitsrechts bekämpfen wollen, indirekt beschieden, er werde "bei den, vor den Franzosen eingegangenen Engagements keine Kompromisse machen".

Welche Aufgaben auf den neuen Präsidenten warten, machte Laurent Fabius in seiner sehr persönlich gehaltenen Ansprache klar, in der er Macron zum neuen Präsidenten erklärte. "Die Welt erwartet von uns, dass wir stark und klarsichtig sind". Doch seit Jahrzehnten zweifele das Land an sich selbst und fühle sich bedroht.

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