Stimmungstest in Nordrhein-Westfalen

An Hannelore Kraft hat die Niederlage der SPD nicht gelegen. Wenn es für Merkels Herausforderer Martin Schulz einen Trost gibt, ist es, dass er keine Rücksichten nehmen muss. Kraft räumte nur Minuten nach den ersten Hochrechnungen die Niederlage ein und erklärte ihren Rücktritt als Landeschefin und SPD-Bundesvize. Der SPD-Vize Ralf Stegner fand auch klare Worte: "Das ist wirklich eine herbe Niederlage".

Nach Hochrechnungen von ARD und ZDF lag die CDU 33,0 bis 33,6 Prozent deutlich vor der SPD mit 31,0 bis 31,5 Prozent. Die AfD schafft mit 7,3 Prozent hingegen den Einzug in ihr 13. Landesparlament deutlicher als erwartet.

Die bisher regierenden Sozialdemokraten und Grüne erlitten deutliche Verluste. Neben einer großen Koalition unter Führung von Armin Laschet ist in NRW auch eine schwarz-gelbe Koalition denkbar. Denn Laschet gilt in seiner Partei und bei vielen Mitte-Rechts-Wählern als zu brav.

Gut eine Woche nach der Landtagswahl in Schleswig-Holstein wollen Grüne und FDP heute Abend (20.00 Uhr) in Kiel zu einem ersten separaten Gespräch zusammentreffen.

Für Kanzlerin Angela Merkel bedeutet der Wahlsieg der CDU starken Rückenwind. Die Frage ist nur, wie er seine Partei aufrichten will. NRW ist nicht irgendein Pflaster für die SPD, die Partei steht vor einem Neuaufbau.

Die CDU hat Prognosen zufolge die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen klar gewonnen. Die Grünen erreichen 6,2 Prozent, die FDP 12,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 65,2 Prozent (2012: 59,6 Prozent). Er hat nun mehrere Optionen: Er kann nach jetziger Lage die Regierung bilden als Chef einer großen Koalition mit dem Junior-Partner SPD oder mit einem Dreier-Bündnis Schwarz-Gelb-Grün.

Bemerkenswert ist auch, dass die CDU sich behaupten und zur stärksten politischen Kraft werden konnte, ohne die Alternative für Deutschland (AfD) niederzuringen. Ob es sogar für eine eigene schwarz-gelbe Mehrheit von CDU und FDP reichen könnte, war am frühen Sonntagabend noch offen.

Nicht mehr im Landtag vertreten sind die Piraten, die 2012 noch 7,8 Prozent der Stimmen geholt hatten und nun auf 0,9 Prozent kommen. Niemand wird bestreiten, dass von dem Ergebnis am Sonntag eine Signalwirkung für den bevorstehenden Wahlkampf zum Bundestag ausgeht.

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