Studie: Deutschland wäre Gewinner von EU-Handelsabkommen mit Indien

Indiens Regierungschef Modi wünscht sich vor allem Investitionen kleiner und mittelständischer deutscher Unternehmen. Auch der im Juli in Hamburg stattfindende G20-Gipfel stand bei dem Treffen auf der Agenda.

Der Handel zwischen Deutschland und Indien beläuft sich derzeit laut Asien-Pazifik-Ausschuss (APA) auf rund 17 Milliarden Euro - zehn Milliarden davon sind Exporte nach Indien. "Wir laden deutsche Unternehmen ein, sich bei Projekten zu engagieren und sich an Partnerschaften zu beteiligen", sagte er dem Handelsblatt.

Asienexpertin Jungbluth forderte beide Seiten zu Kompromissen auf, um die Verhandlungen rasch wieder aufzunehmen. Zur Vorbereitung des Regierungstreffens an diesem Dienstag empfing Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den indischen Premierminister Narendra Modi am Montagabend im Regierungs-Gästehaus Schloss Meseberg nördlich von Berlin.

Die deutsche Wirtschaft etwa verlangt von Indien weitere Reformen und eine stärkere Marktöffnung.

Lienhard sagte vor einem deutsch-indischen Wirtschaftsforum mit Merkel und Modi am Dienstagnachmittag: "Mit Blick auf Zölle und weitere Handelshemmnisse muss Indien sich stärker öffnen, damit unsere Unternehmen ihr Engagement im Land ausbauen". Nach einer aktuellen Studie würde die deutsche Wirtschaft von solch einem Freihandelsabkommen kräftig profitieren. Dies sei das höchste mögliche Plus innerhalb der Europäischen Union nach Großbritannien, das aufgrund seiner Kolonialgeschichte besondere Beziehungen mit Indien pflegt. Sie könnten ihre Wertschöpfung um bis zu 1,5 Milliarden Euro im Jahr steigern, hieß es.

Bereits seit dem Jahr 2007 laufen die Verhandlungen zwischen Indien und der EU, liegen jedoch seit 2013 auf Eis. Die größten Hemmnisse aus deutscher Sicht liegen im Automobil- und der Pharmasektor. In diesem Jahr wird ein Wirtschaftswachstum von 7,4 Prozent erwartet. Wer fertig montierte Pkw nach Indien einführt, zahlt dafür je nach Größe des Fahrzeugs zwischen 60 und 100 Prozent des Neupreises. Die EU würde diese Hürden auf lange Sicht gern abschaffen. Indien sähe darin aber eine Gefahr für die heimische Produktion, auch durch ausländische Firmen, die - zum Teil abgeschreckt durch die hohen Zölle - indische Standorte aufgebaut haben. Dieser Schritt beeinträchtige das Vertrauen deutscher Investoren, da unter anderem Investitionen in Indien nicht mehr über Bundesgarantien für Direktinvestitionen im Ausland abgesichert werden können.

In der Pharmabranche hakt es besonders, wenn es um geistiges Eigentum geht. Indische Gerichte können etwa anordnen, dass ausländische Konzerne noch während der Patentlaufzeit Zwangslizenzen an indische Generika-Hersteller vergeben müssen.

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