USA: Merkel und Schulz einig: Europa muss auf eigenen Beinen stehen

Der Termin von Angela Merkel mit Horst Seehofer (CSU-Parteichef) in München-Trudering war wegen des Anschlags im britischen Manchester kurzfristig abgesagt worden. Bisher hatten die neue US-Regierung auch im Kreis der großen Industrie- und Schwellenländer (G20) ein Bekenntnis blockiert.

Um mal miteinander zu reden - das ist seit Jahren das Hauptargument der Veranstalter für solche Gipfel - kann man es auch so eintüten wie Kanzlerin Angela Merkel, als Trumps Vorgänger Barack Obama im vorigen Jahr zwei Mal nach Deutschland kam. Das Publikum klatschte minutenlang. Trump hat die Gruppe der sieben großen Industrienationen mit seinem Konfrontationskurs in eine Krise gestürzt. "Das heißt, es gibt keinerlei Anzeichen bis jetzt, ob die USA im Pariser Abkommen verbleiben werden oder nicht". Die "Washington Post" bezeichnete die Rede von "Europas de facto Anführerin" als "ungewöhnlich eindeutig". Obwohl es seit 1945 durchaus Probleme in Bezug auf die Beziehungen zwischen den USA und Europa gegeben habe, sei das Bewusstsein niemals so stark gewesen, dass Europa bei den globalen Problemen auf sich allein gestellt ist. Doch was denkt Merkel wirklich über Trump?

"El País" kommentiert: "Die Europäische Union ist nicht mehr das, was sie vor dem Brexit war, und die transatlantische Allianz ist nur noch ein Schatten von dem, was sie in der Prä-Trump-Ära war".

Trump hat auch Recht, wenn er darauf hinweist, dass fast alle europäischen Länder - auch Deutschland - sehr weit von dem vereinbarten Ziel entfernt sind, 2 Prozent für Militär auszugeben.

Schulz verlangte zudem eine entschiedenere Haltung Europas gegen Trump: "Gegen einen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, der ja andere demütigen will".

Die Zeitung "Corriere della Sera" schreibt, Merkel habe mit ihrer Aussage einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Wenn die USA sich militärisch im Ausland zurückhielten, werde Deutschland gemeinsam mit Frankreich eine zunehmend dominantere Rolle spielen.

Er hält den G7 Gipfel für gelungen ist damit aber allein US-Präsident Donald Trump vor dem Heimflug
Er hält den G7 Gipfel für gelungen ist damit aber allein US-Präsident Donald Trump vor dem Heimflug

Bundeskanzlerin Merkel hat vor überzogenen Erwartungen an den internationalen Klimaschutz gewarnt.

Mit ihrer Ansicht ist Merkel nicht alleine. Das Politikmagazin "Politico" meint "nein". Die Besonderheit sei, dass Merkel Europa erstmals als Gewinnerthema für die anstehenden Wahlen entdeckt habe. Viel wahrscheinlicher sei es, dass es sich bei Merkels Worten um reine Wahlkampfrhetorik gehandelt habe.

Die SPD versucht ihren verstaubten Ruf als "Friedenspartei" seit geraumer Zeit wiederzubeleben - im Verhältnis zu Russland ebenso wie zu den stets mit einer Mischung aus Abscheu und Bewunderung betrachteten USA. Es sei zu früh, von einer massiven Veränderung in den transatlantischen Beziehungen zu sprechen. Sie mache in Richtung Trump klare Ansagen. Eine Abkehr der USA, die hinter China zweitgrößter Verursacher von Treibhausgasen sind, könnte ein fatales Signal für den G-20-Gipfel im Juli in Hamburg sein, wo Merkel Gastgeberin ist.

Trump und Macron waren sich am Donnerstag am Randes des NATO-Gipfels in der US-Botschaft in Brüssel erstmals persönlich begegnet. "Wir müssen jetzt schnell eine gemeinsame Initiative von Deutschland und Frankreich für einen Neustart von Europa starten". Sie ist nicht wie unsere Premierministerin. "Der Westen wird gerade etwas kleiner".

"Was für eine außergewöhnliche Frau". "Wenn Amerika wackelt, müssen wir stehen", sagte Grünen-Chef Cem Özdemir. Dabei hatte die Kanzlerin am Sonntag eigentlich nur einen Lokaltermin wahrgenommen. Und wenn man sie anschaut, kommt der Gedanke auf: "‚Das ist der Inbegriff von stark und stabil".

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