Führende Unionspolitiker greifen Martin Schulz an

Dortmund. Martin Schulz läuft sich warm in der Kampfbahn "Rote Erde" in Dortmund, hier hat er als junger Fußballer gekickt. Allein sein Gang nach vorn zum Rednerpult hat schon frenetischen Jubel bei den rund 6000 Sozialdemokraten in der legendären Dortmunder Westfalenhalle ausgelöst.

Der Saal kocht. Seit Beginn der Rede brandet immer wieder spontaner Applaus auf.

Ein ums andere Mal springen die Delegierten begeistert auf.

Herr Niedermayer, ist die Bundestagswahl für die SPD nach drei verlorenen Landtagswahlen praktisch schon gelaufen?

Anschlag auf die Demokratie? Die Botschaft von CDU und CSU, man habe Angela Merkel, das reiche, habe in der Vergangenheit gereicht, "aber nicht mehr 2017", sagt Schulz unter dem Beifall der Delegierten. Die Zuhörer feiern ihn dafür. Gewissermassen ist der Umfang die Ansage: Wir nehmen zu allem Stellung, die CDU zu nichts.

CDU-Bundesvize Armin Laschet wies die scharfe Kritik der Sozialdemokraten am Wahlkampfstil der Union zurück. Er warf Kanzlerin Merkel vor, weiter eine Strategie der "asymmetrischen Demobilisierung" zu betreiben. "Ich nenne das einen Anschlag auf die Demokratie!" Die SPD werde es der Union nicht durchgehen lassen, dass sie die Rente aus dem Wahlkampf heraushalten wolle. Wenn die SPD nicht die Köpfe hängenlasse, um jede Stimme kämpfe, könne es gelingen, stärkste Kraft zu werden. Er betont, dass die SPD kostenlose Bildung von der Kita bis zur Hochschule wolle.

Überraschend war die Schärfe, mit der Schulz auf den Noch-Koalitionspartner Union losging. Gerührt, fast demütig wirkt Schulz am Ende seiner inhaltsstarken und kämpferischen Rede.

Die AfD, die Martin Schulz hart anging und als "NPD light" bezeichnete, reagierte zunächst nicht auf dessen Vorwürfe. Die SPD müsse dafür sorgen, dass es die Rechtspopulisten im Herbst nicht in den Bundestag schaffen, fordert Schulz und schüttelt den Kopf: "Nee, Leute, diese Partei gehört nicht zu Deutschland".

Er weiß ganz genau, wie es sich anfühlt, wenn einen alle schon abgeschrieben haben.

Trotz dieser Niederlage: Schröder gilt bis heute als einer der begnadetsten Wahlkämpfer der SPD. Auch SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann verteidigte Schulz. Die SPD steht geschlossen hinter ihrem Chef, die Kritik der letzten Wochen hat die Genossen nicht auseinander getrieben, sondern enger zusammengeschweißt. Zum Beispiel, wenn er verspricht, sich in Zukunft für eine konsequente Abrüstungspolitik einzusetzen.

Er attackierte US-Präsident Donald Trump so hart wie den türkischen Machthaber Recep Tayyip Erdogan und rief zur Verteidigung eines friedlichen Europas auf. "Ich frage euch: Wollen wir das?" "Schulz hat Frau Merkel einen demobilisierenden Wahlkampf vorgeworfen". Herausforderer haben deshalb nur eine einzige Chance: Sie müssen den Amtsinhaber stellen. "Aber wir dürfen sie nicht zur größten Armee unseres Kontinents machen". Die SPD habe diesen Parteitag zu einer Art Stunde Null erklärt.

"Nichts ist entschieden", erinnert Altkanzler Gerhard Schröder in seiner 21-Minuten-Rede an 2005, als die SPD vor der Wahl in Umfragen ähnlich schlecht dastand, am Ende aber über 20 Prozentpunkte aufholen konnte. Es sei "nicht vernünftig", und die SPD stehe "nicht in dieser Tradition", sagte Schulz.

Gerhard Schröder hat beim Parteitag den Motivationstrainer gegeben: Was kann die SPD von ihm lernen? Stattdessen sprach er von "der Vorsitzenden der CDU".

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