May will trotz Wahldesaster neue Regierung bilden

Statt einer satten Mehrheit für die Tories, welche May nutzen wollte, um sich innerparteilich und auch gegenüber der EU eine unanfechtbare Position zu verschaffen und fünf Jahre Ruhe an der Wahlfront zu haben, stehen die Konservativen und ihre Chefin nun als begossene Pudel da.

Die britische Premierministerin Theresa May will trotz des Verlusts der absoluten Mehrheit ihrer Konservativen bei der Parlamentswahl eine neue Regierung bilden.

Die Partei der nordirischen Protestanten der DUP (Democratic Unionist Party) ist hingegen zu Verhandlungen mit den Konservativen bereit. Experten schätzten dies als nicht sonderlich stabile Regierungsvariante ein. Die nordirische DUP zeigte sich allerdings schon in der Nacht bereit, die Konservativen zu unterstützen. "Ich denke, es wird sicher Kontakt über das Wochenende geben, aber ich denke, es ist zu früh, um darüber zu sprechen, was wir tun werden", sagte Parteichefin Arlene Foster.

Auch EU-Kommissar Günther Oettinger erwartet nach dem Ausgang der Wahl mehr Unsicherheit bei den Brexit-Verhandlungen.

Die vorgezogene Neuwahl hatte die Premierministerin im April überraschend angekündigt mit dem Ziel, sich mehr Rückendeckung für die anstehenden Brexit-Verhandlungen zu holen. So forderte Labour-Chef Jeremy Corbyn ihren Rücktritt.

"Das ist eine Katastrophe für Theresa May". Sein Kollege Tony Travers erklärte: "Das ist genau das Gegenteil dessen, was sie mit der Wahl erreichen wollte".

Auch Mays politische Zukunft steht infrage. Ein Rücktritt sei nicht auszuschließen.

Ukip-Chef Paul Nuttall trat darum zurück. "Ich kann der EU nur raten, abzuwarten und sich nicht einzumischen", sagte der Europaabgeordnete am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel.

Die Konservativen liegen kurz vor vollständiger Auszählung der Stimmen bei 318 Sitzen, die oppositionelle Labour Party bei 261, die Schottische Nationalpartei (SNP) bei 35 und die Liberaldemokraten bei zwölf Sitzen. Hätten am Donnerstag nur die 18- bis 24-Jährigen abgestimmt, hätte Labour Umfragen zufolge 70 Prozent der Stimmen oder mehr bekommen.

London Theresa May verliert in Großbritannien die absolute Mehrheit.

Labour hält zwar auch am Brexit-Votum fest, verfolgt aber einen "weicheren "Kurs und will eng mit der EU kooperieren". Der finanzpolitische Sprecher der Labour Partei, John McDonnell, lehnte eine Koalition mit den Tories ab und sprach sich für eine Minderheitsregierung seiner Partei aus. In der Brexit-Saga wäre es nicht das erste Mal, dass Theresa May und die Tories ihre Meinung ändern. Solche Bündnisse sind in Großbritannien aufgrund des Mehrheitswahlrechts sehr selten, vor 2010 gab es das letzte "hung parliament" 1974 - und dieses existierte nur wenige Monate. Das klare Mandat mit einer satten Parlamentsmehrheit für die Brexit-Verhandlungen mit der Europäischen Union ist dahin. "Dieses Ergebnis bedeutet, dass überhaupt keiner Kompromisse machen kann", sagte Brok in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner".

Die EU-Feinde von UKIP haben sich nach ihrem Wahlerfolg von 2015 und dem folgenden Brexit sich quasi abgeschafft. Oder die Wähler die Regierung in London mit einem Wahlergebnis überraschen. Das Ergebnis sei eine "Strafe für Mays Brexit-Lügenpolitik", teilte Karas in einer Aussendung mit.

Als vergangenes Wochenende zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen Terroristen viele Menschen in Großbritannien töteten und verletzten, kam eine dunklere Seite Mays zum Vorschein: Als Vorwürfe laut wurden, dass sie als Innenministerin mit dem Abbau von 20.000 Stellen bei der Polizei die Sicherheit des Landes aufs Spiel gesetzt habe, regte May eine staatliche Überwachung des Internets an und erklärte, man müsse Einschnitte bei den Menschenrechten in Kauf nehmen, um den Terror zu bekämpfen. "Eines ist uns allen klar". Außenminister Johnson verzichtete vorsorglich auf jede Loyalitätserklärung für May: "Wir müssen unseren Wählern zuhören und ihre Sorgen anhören", sagte er. Der künftige Premierminister wird jedoch wohl weniger Stimmen brauchen.

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