Scharfe Kritik nach Schulz-Attacke auf Merkel beim SPD-Parteitag

"Das ist kein gutes Zeichen für einen Kanzlerkandidaten". "Ich werde keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, in dem die Ehe für alle nicht verankert ist", sagte Schulz am Sonntag beim Bundesparteitag der Sozialdemokraten in Dortmund.

Die Empörung ist in den Unions-Parteien einhellig.

Nordrhein-Westfalens designierter Ministerpräsident Laschet sagte im ARD-"Morgenmagazin": "Das ist schon starker Tobak, das ist daneben, so kann man nicht argumentieren."Der Vorwurf, die CDU habe kein Rentenkonzept, stimme auch in der Sache nicht".

Laschet kündigte an, die Union werde "vor der Sommerpause ein konkretes Programm vorlegen". Diese habe es in den vergangenen drei Landtagswahlen gegeben - zugunsten der CDU.

"So groß darf die Verzweiflung niemals sein, dass wir Demokraten uns gegenseitig Anschläge auf die Demokratie vorwerfen", twitterte CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Nach aktuellen Umfragen ist eine Neuauflage der grossen Koalition unter Führung der Union die wahrscheinlichste Machtoption für die SPD. Dass Schulz jedoch bei der Motivation seiner Genossen auf Schützenhilfe von Altkanzler Gerhard Schröder angewiesen ist, der einst nicht Schulz, sondern Gabriel im Rennen gegen Merkel wollte und dessen Agenda-Politik Schulz gleich nach seiner Nominierung attackierte, ist eine Ironie der Geschichte.

Die Linke nahm sich vor allem das Wahlprogramm der SPD vor. Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht sagte, "der Parteitag ist der Endpunkt einer großen Desillusionierung". Die Prognose, dass die SPD mit Martin Schulz "wieder eine sozialdemokratische Partei" werde, habe sich nicht erfüllt. "Tatsächlich hat die Partei nun ein Wahlprogramm beschlossen, das sich noch ängstlicher vor den Wünschen der Konzernlobbyisten und Superreichen verbeugt als frühere Programme". Dazu passe, dass die SPD nicht mal mehr wage, "eine Besteuerung der Vermögen von Multimillionären und Milliardären zu fordern".

Äußerungen von Schulz auf dem SPD-Parteitag haben heftige Kritik anderer Parteien hervorgerufen.

CSU-Chef Horst Seehofer bedauerte die Forderungen von SPD, FDP und Grünen zur Ehe für alle als Grundbedingung für eine Regierungsbeteiligung nach der Bundestagswahl.

Linken-Parteichefin Katja Kipping zog eine "gemischte" Bilanz des SPD-Parteitags am Sonntag in Dortmund.

Schulz erhält für seine Rede fast zehn Minuten Applaus, die Delegierten erheben sich von ihren Stühlen. Der SPD-Kanzlerkandidat hatte der CDU vorgeworfen, bewusst auf eine niedrige Wahlbeteiligung in Deutschland hinzuarbeiten.

Nach Martin Schulz' harschen Worten gegen den Koalitionspartner lassen empörte Reaktionen nicht lange auf sich warten.

Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir kritisierte die SPD mit Blick auf den Klimaschutz. Die Sozialdemokraten sagten nichts zum Ausstieg aus der Kohleenergie.

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