SPD bläst zur Aufholjagd

In Dortmund sprach Gerhard Schröder, der letzte noch lebende Alt-Kanzler, bekannt als Wahlkampfmaschine, vor Schulz. Dabei bezeichnete Schulz die Kritik von Merkel an Trump als zu unkonkret.

Tosender Jubel in der Westfalenhalle. Dort sei die Wahlbeteiligung gestiegen, "allerdings zugunsten der CDU". Merkel warf er einen "Anschlag auf die Demokratie" durch die Verweigerung von Zukunftsdebatten vor. Damals habe die SPD 23 Punkte im Rückstand gelegen, am Ende sei sie nach einer Aufholjagd aber mit 34,2 Prozent nur knapp hinter der Union mit 35,2 Prozent gelandet. Inhaltlich habe die SPD nachgearbeitet und Konzepte vorgelegt zum Bereich Steuern, zum Bereich Renten, aber auch zur inneren Sicherheit. Nach der Nominierung von Schulz als Kanzlerkandidat im Januar hatte die SPD zunächst kräftig in den Umfragen aufgeholt, rangierte zeitweise sogar vor der Union. Schafft er die Wende? Schulz sagt, er höre aus der Union immer wieder, man wolle die Rente aus dem Wahlkampf heraushalten. Er verwies auf die Steuer- und Rentenkonzepte der SPD, die es von der Union noch nicht gebe. Schulz holt aus zu einem Rundumschlag: nicht nur gegen die Union, sondern auch gegen "die Feinde der Demokratie", wie er die Rechtspopulisten in Deutschland und weltweit nennt. Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble hätten zudem mit ihren ökonomischen Forderungen "viel Vertrauen in Europa verspielt".

Der Parteitag ist ganz auf Schulz zugeschnitten, auf Reden etwa vom gastgebenden NRW-Landesverband oder von Außenminister Sigmar Gabriel wird verzichtet. "Du hast alles, was man für dieses Amt braucht", adelt ihn Altkanzler Gerhard Schröder, erntet donnernden Applaus. Der CDU-Slogan "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben" appelliert an die Zufriedenen, denen die Bundeskanzlerin Angela Merkel alle Widrigkeiten vom Hals hält. "Was damals ging, das geht heute auch", rief Schröder den Delegierten in Dortmund zu. Ein Drittel von ihnen entscheide sich erst am Wahltag oder kurz davor. Bitter: Vor wenigen Monaten lag Schulz in Umfragen zeitweise vor Merkel, seine Partei überholte die Union. Schaberick glaubt an den Erfolg seiner Genossen - nach dem Parteitag noch ein bisschen mehr als in den Tagen davor. Das Wahlprogramm wird einstimmig verabschiedet. Die von linken Sozialdemokraten und dem DGB geforderte Vermögensteuer räumte der Parteivorstand bei einer Sitzung am Samstag ab. Bei der Gleichstellung Homosexueller legt sich Schulz fest: "Ich werde keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, in dem die Ehe für alle nicht verankert ist". "Aber die SPD hat sich hier ohne Wenn und Aber hinter ihren Kanzlerkandidaten gestellt". Das Ziel müsse sein, "dass diese Leute nicht dem deutschen Bundestag angehören".

Der "Welt" vom Montag sagte Wagenknecht, bei der Nominierung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten habe es bei vielen die Hoffnung gegeben, dass die SPD wieder eine sozialdemokratische Partei werde. Also ist Schröder nach Dortmund gekommen, um zu "schrödern", wie man es hinter vorgehaltener Hand nennt. Nicht nur Schröder ermahnt die Genossen zu Disziplin, Geschlossenheit, aber auch Selbstbewusstsein. Diese Vorstellung ist genauso so irrational wie der beispiellose Schulz-Hype und der wohl schlimmste Absturz, den je ein Bewerber für das Kanzleramt erlitt. Schröder war wohl der feurigste Wahlkämpfer, den die Partei je hatte; Schulz wirkt da deutlich ungeübter. Venceremos!" (Spanisch: "Wir werden siegen).

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