Walter Kohl fordert Staatsakt am Brandenburger Tor

Bestatter tragen in Oggersheim einen Sarg aus dem Haus von Helmut Kohl. Er hatte die Berliner Feier in Abstimmung mit Kohls Witwe Maike Kohl-Richter initiiert.

Einer der größten Momente seines Lebens: Bei der Einheitsfeier am 3. Oktober 1990 winkt Helmut Kohl in die Menge, flankiert von Hans-Dietrich Genscher, Hannelore Kohl und Bundespräsident Richard von Weizsäcker.

Eines der letzten Fotos von Helmut Kohl zeigt ihn im April 2016 mit dem ungarischen Regierungschef Viktor Orban.

Demnach ist - wie bereits bekannt - von 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr ein Europäischer Trauerakt im EU-Parlament in Straßburg geplant, bei dem Kohls Sarg mit einer Europaflagge bedeckt sein wird.

Vor verschlossenen Türen: Walter Kohl, Sohn des verstorbenen Altkanzlers, hat in Oggersheim Hausverbot.

Bei dem europäischen Staatsakt werden unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der frühere US-Präsident Bill Clinton und Frankreichs neuer Staatspräsident Emmanuel Macron sprechen.

Die Gestaltung der Gedenkfeiern gilt wegen der Wünsche von Kohls zweiter Ehefrau Maike Kohl-Richter als nicht einfach.

Der ältere Sohn von Ex-Kanzler Helmut Kohl hatte die Pläne für die Trauerzeremonien und das Begräbnis seines Vaters kritisiert.

Walter Kohl plädierte dafür, dass die deutsche Trauerfeier für seinen Vater nicht in Speyer, sondern in Berlin stattfindet. Er werde deshalb an der privaten Beisetzung in Speyer nicht teilnehmen.

Helmut Kohl war am 16. Juni nach langer Krankheit im Alter von 87 Jahren in Ludwigshafen gestorben und anschließend zu Hause aufgebahrt worden.

Altkanzler Helmut Kohl soll nicht im Familiengrab sondern in Speyer beerdigt werden. Nach den DPA-Informationen ist das weiter so vorgesehen. Danach wird der Sarg mit dem Hubschrauber nach Speyer überführt. Dort ist im Dom am späten Nachmittag eine Totenmesse geplant, dann ein militärisches Abschiedszeremoniell. Im Anschluss daran soll Kohl auf dem Friedhof des Domkapitels beigesetzt werden. Mit der Entscheidung für ein Begräbnis in Speyer solle das politische Lebenswerk seines Vaters von seiner ersten Frau Hannelore getrennt werden, kritisierte Walter Kohl.

Kohl hatte zu seinen Kanzlerzeiten stark polarisiert und wurde durchaus angefeindet. Er werde an der privaten Beisetzung nicht teilnehmen, "auch um jeden Eindruck zu vermeiden, ich würde dies gutheißen".

► Lammert beschrieb, Art und Ort der Würdigung einer solch herausragenden politischen Lebensleistung in und für Deutschland seien "bei allem Respekt nicht nur eine Familienangelegenheit". Der Vorschlag des Altkanzler-Sohns: Nach einem Trauerakt in Straßburg am 1. Juli sollte am Brandenburger Tor in Berlin eine "deutsche Verabschiedung mit drei verbundenen Elementen stattfinden [.]: einem Staatsakt, bei dem sich Deutschland verabschiedet, einem ökumenischen Requiem, das die Konfessionen vereint, und schließlich militärischen Ehren, dem großen Zapfenstreich".

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