Männer dominieren im Fernsehen

Das Fernsehprogramm der vergangenen Tage. Eine schöne Frau ist nach dem Tod ihres Mannes unglücklich, findet aber einen neuen Lover, und dann ist die Rosamunde-Pilcher-Verfilmung Zu hoch geflogen auch schon zu Ende. Und auch hier erklären Männer die Welt: außerhalb der fiktionalen Erzählungen für Kinder kommen Frauen deutlich seltener vor. Mittwochabend, RTL: Eine schöne Frau sucht in Die Bachelorette nach dem Traummann und geht dafür romantisch essen oder an den Strand. RTL-Programmchef Frank Hoffmann erinnerte daran, dass die Mehrheit des TV-Publikums, dass Frauen also eher Männer in TV-Rollen akzeptieren würden als Frauen.

Die Studie "Audiovisuelle Diversität?".

Wie stark (oder schwach) sind Frauen in Film und Fernsehen vertreten? Frauenthemen seien eben keine Nischenangelegenheit mehr, lautete Belluts Befund, man brauche keinen besonderen Sendeplatz mehr dafür. Bei den Fernsehvollprogrammen kämen ein Drittel der Programme ganz ohne Frauen aus. Zwar sind dort sehr viele Moderatorinnen und Sprecherinnen am Werk, sobald aber jemand interviewt wird, sieht man Männer. Indessen geben Männer überall ihre Expertisen ab: In der TV-Information bestehen die befragten ExpertInnen zu 79 Prozent aus Männern.

Prof. Dr. Elizabeth Prommer und Dr. Aber ab Mitte 30 kämen auf eine Frau zwei Männer. Und was macht die gezeigten Frauenfiguren laut Studie aus? Vor allem das Zwischenmenschliche, die Art, wie sie Beziehungen gestalten.

Die Initiatorin der Studie, Maria Furtwänger, begründet den Ausgangspunkt für die Untersuchung: "Es ist wichtig zu verstehen, welches Geschlechterbild mit der enormen Wirkungsmacht des Fernsehens und Kinos transportiert wird". "Jetzt gibt es die Fakten". Furtwängler könnte als schöne Tatort-Kommissarin mit zwischenmenschlichen Problemen selbst Studienobjekt sein. Ein Teil der Studie war der so genannte Bechdel-Test. 51 Prozent Frauen und 49 Prozent Männer. Manchmal wird zusätzlich gefragt, ob die Frauen im Drehbuch einen Namen haben.

Auch in Informationssendungen seien Frauen unterrepräsentiert, betonten die Forscher.

Gravierend sind die Unterschiede in der Geschlechterverteilung auch bei der Funktion der Abgebildeten im Fernsehen. Stereotype, denen nur schwer beizukommen sei, sagte Furtwängler.

Nicht mal im Kinderfernsehen ist es besser, obwohl dort ein Team aus Maus und Elefant seit Jahrzehnten ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis vorlebt. Die Jungs dominieren, selbst Tierfiguren oder sprechende Blumen sind zu fast 90 Prozent männlich. Die wenigen Frauen, die es im Kinderfernsehen gibt, sind meistens Feen, Hexen oder Mütter.

Auch im Kinofilm kommen ab Mitte 30 Jahre auf eine Frauenfigur zwei Männerfiguren. Man wolle künftig mehr "Bewusstsein schaffen".

Wer deutsches Fernsehen einschaltet und deutsche Kinofilme sieht, wird die Resultate der Untersuchung geahnt haben, zugleich wird er von ihrer Eindeutigkeit überrascht sein. Lediglich in Daily Soaps und Telenovelas sind 52 Prozent der Hauptakteure Frauen und 48 Prozent Männer. Zumindest hier sind die Frauen deutlich besser gestellt als in der Wirklichkeit.

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