Schummeln erlaubt: Studie über Sex in Deutschland

Braunschweig. Wie haben die Deutschen Sex?

Männer in Deutschland haben nach eigenen Angaben im Leben im Schnitt schon mit zehn Partnerinnen geschlafen, Frauen aber nur mit fünf.

Die repräsentative Studie soll einen Einblick in die verschiedene Sexualverhaltensweisen der Deutschen geben. 2524 Menschen ab 14 Jahren wurden per Fragebogen befragt. Das Verhältnis ist erstaunlich hoch und lässt sich statistisch kaum erklären. Die Studie haben Psychologen der Technischen Universität Braunschweig durchgeführt, sowie der Universitäten Hildesheim, Jena und Hannover.

Beim Antworten schummelten die Befragten vermutlich etwas. Dieser Meinung sind die Psychologen, drücken es aber wissenschaflicher aus. Die Wissenschaftler bezeichnen das als "Selbstwertdienliche Verzerrungen und geschlechtsspezifisches Antwortverhalten".

Dekker vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat eine ähnliche Erklärung: "Sie inszenieren damit auch ihre Geschlechterrollen". Manche Männer glaubten, es sei attraktiv und gesellschaftlich anerkannt, viele Sexpartner zu haben, bei Frauen sei oft das Gegenteil der Fall. Die Mehrheit der Befragten, 82 Prozent der Frauen und 86 Prozent der Männer, gaben an, heterosexuell zu sein.

Die Autoren warnen, dass diese Menschen hinsichtlich sexuell übertragbarer Krankheiten als Risikopersonen eingestuft werden müssen. Die Forscher fragten zudem nicht, ob die Teilnehmer bereits Sex im Ausland gehabt haben.

Die Studie bietet über das sexuelle Selbstbild der im Schnitt 48,5 Jahre alten Befragten hinaus noch weitere Erkenntnisse aus den Betten der Republik. So gaben 88 Prozent der Männer und 89 Prozent der Frauen an, schon solchen Sex gehabt zu haben. Schon einmal oral befriedigt wurden 56 Prozent der Männer und 48 Prozent der Frauen. Jeweils ein Prozent ist den Angaben zufolge rein homosexuell. Einige machten keine Angaben oder gaben an, dass keine dieser Kategorien zutreffe. Am sexuell aktivsten ist erwartungsgemäß die Gruppe der 25- bis 29-Jährigen. Danach sinkt die Häufigkeit: Männer im Alter von 50 bis 59 Jahren haben demnach 34-mal pro Jahr solchen Sex, Frauen 22-mal. Eigenen Angaben nach ist rund jeder fünfte Mann (21 Prozent) in einer Partnerschaft schon einmal fremdgegangen. Bei den Frauen sind es 15 Prozent. Tatsächlich scheinen die Deutschen treue Seelen zu sein: Mehr als die Hälfte aller Befragten (57 Prozent) gab an, in einer festen Partnerschaft zu leben. 76 Prozent verhüten in Beziehungen nie mit Kondomen. In etwa jede zweite Frau (51 Prozent), die 50 Jahre oder jünger ist, nimmt die Pille. Fünf Prozent gaben an, auf Verhütung zu verzichten, weil sie einen Kinderwunsch haben. Diese seien wichtig für die Prävention sexuell übertragbarer Infektionen.

Das sieht der Hamburger Forscher Dekker ähnlich. Er wertet die Studie als "kleine, verdienstvolle Ergänzung, die erstmals repräsentative Angaben zum Sexualleben der Gesamtbevölkerung macht". Die Männer dagegen mit durchschnittlich zehn Frauen.

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