Mehr als zwei Millionen Muslime beginnen Hadsch in Mekka

Rund 100.000 Sicherheitskräfte sichern dieses Jahr die Pilgerfahrt zur Kaaba in Mekka ab. Vor zwei Jahren war bei der symbolischen Teufelssteinigung in Mina eine Massenpanik ausgebrochen, nach inoffiziellen Berechnungen kamen 2000 Menschen ums Leben. Wie jedes Jahr kommen die größten Kontingente mit 100 000 bis 250 000 Reisenden aus Indonesien, Pakistan, Indien und Bangladesch. Die Pilgerfahrt zu den heiligsten Stätten des Islam findet in diesem Jahr vor dem Hintergrund extremer regionaler Spannungen statt. Saudi-Arabien hat seither die Sicherheitsvorkehrungen verbessert. Laut Koran sollte jeder Muslim einmal im Leben an der großen Pilgerfahrt teilnehmen. Damit fehlt diesen Ländern der Motor für gesellschaftlichen Fortschritt - die Fähigkeit zu Selbstkritik und Selbstkorrektur, die Fähigkeit zu Transparenz und guter Regierungsführung. Stattdessen greift man in das unerschöpfliche Reservoir von Verschwörungstheorien, sucht Schuldige jenseits der eigenen Landesgrenzen im angeblich abgekarteten Spiel ausländischer Geheimdienste, bei den USA, Israel oder wer sonst so gerade zur Hand ist. Denn eine moderne Bürgergesellschaft, die Verantwortung einfordert und Willkür anprangert, existiert praktisch in keiner der 22 arabischen Nationen. Die aufgeblähten Staatsapparate halten das öffentliche Leben bis in den letzten Winkel in Schach. Entsprechend heruntergekommen und zugemüllt sieht der öffentliche Raum in arabischen Ländern aus. Bürgerkriege zerstören den Jemen, den Irak, Syrien und Libyen.

Auch der Gegensatz von Schiiten und Sunniten wird immer gewalttätiger und religiös virulent. Die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien nahmen dadurch schweren Schaden. Selbst innerhalb der sunnitisch-arabischen Welt weiten sich die Gräben von Jahr zu Jahr. Sudan und Ägypten liegen nicht nur beim Nilwasser über Kreuz.

Kräfte, die die nahöstliche Region in ein stabileres und kooperativeres Fahrwasser lenken könnten, sind nicht in Sicht. Und so gehört das Treffen zu den größten religiösen Ereignissen der Welt. Und so bleibt der Hadsch für diesen Teil der Welt auch weiterhin nur das passive Echo einer Gegenwart, die wenig Optimismus lässt.

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