Schulz verteidigt Interview-Äußerung von Gabriel

Dies war so interpretiert worden, als sei für Gabriel klar, dass die SPD nicht stärkste Partei werde. "Wir wollen gemeinsam dafür sorgen, dass ich Bundeskanzler werde", sagte Schulz in Kiel nach einer Wahlkampfrede vor Journalisten. Man sieht sie schon vor sich, die feixenden Gesichter der Konkurrenz, wenn Martin Schulz demnächst mit geröteten Wangen wieder sein Ich-werde-Kanzler-der-Bundesrepublik-Deutschland-Mantra herunterbetet. Die SPD liegt in den Umfragen zwischen 22 und 24 Prozent, die Union zwischen 37 und 40 Prozent.

Die SPD liegt in den Umfragen 13 bis 18 Prozentpunkte hinter der Union.

Der Außenminister erhofft sich vom Fernsehduell am kommenden Sonntag einen Aufwärtstrend für die SPD in den Umfragen. Schulz werde dort seine Chance vor einem Millionenpublikum nutzen.

Schulz will bei dem Duell mit Inhalten überzeugen.

Mitte August schwächte Gabriel seine Äußerung dann in einem dpa-Interview ab und machte deutlich, dass er die große Koalition nicht kategorisch ausschließt: "Weder die CDU/CSU noch wir möchten eine Fortsetzung der großen Koalition".

Eine Neuauflage der großen Koalition hält Spitzenkandidat Schulz für unwahrscheinlich. Sein Ziel sei es, die jetzt amtierende Bundesregierung abzulösen und Kanzler zu werden. Doch Koalitionsoptionen ohne die Union bieten sich der SPD derzeit noch nicht. Mag ja sein, dass der fast 58-Jährige im Amt des Bundesaußenministers an Ansehen gewonnen hat - aber wer seinem in der Partei beliebten Frontmann so ins Kreuz tritt, darf kaum darauf hoffen, von den Genossen nochmal als Retter gerufen zu werden.

Am Donnerstag verschickte die SPD-Zentrale dann im Namen Gabriels eine Erklärung, in der solche Interpretationen als "Unsinn" zurückgewiesen wurden. "Weil es so viele SPD-Hasser gibt da drin, dass ich nicht glaube, dass wir uns auf so ein Abenteuer einlassen können".

Der Linken sprach Gabriel in dem "Spiegel"-Interview die Regierungsfähigkeit ab, warf ihr innere Zerrissenheit vor und Teilen der Partei AfD-Nähe, Linkspopulismus und Antisemitismus".

Linken-Chef Bernd Riexinger attestierte Gabriel Resignation. Ähnlich äußerte sich Grünen-Chef Cem Özdemir.

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