Versicherte schulden Kassen sieben Milliarden Euro

Es scheint auch so, als gäbe es hier keinen akuten Handlungsbedarf: Die Rücklagen der gesetzlichen Krankenkassen sind prall gefüllt, die Patienten werden gut versorgt und auch die Pflegebedürftigen bekommen seit der jüngsten Reform eine bessere Unterstützung. Ende Juli beliefen sich die Schulden bereits auf über sieben Milliarden Euro - ein neues Rekordhoch. Kurz vor der letzten Bundestagswahl lagen die Beitragsschulden noch bei rund 2,2 Milliarden Euro.

Die Versicherten schulden den Krankenkassen mittlerweile mehr als sieben Millionen Euro. Damit habe sich der Schuldenstand in der abgelaufenen Wahlperiode nahezu verdreifacht. Dafür wird die besondere Form der Beitragsberechnung bei Selbstständigen verantwortlich gemacht. Dieser sollte verhindern, dass sich selbstständig Tätige "arm rechnen". Derzeit wird bei der Beitragsberechnung so getan, als verdiene der Betroffene brutto mindestens 2231 Euro. Nur für Existenzgründer und in bestimmten Härtefällen lässt sich der Beitrag auf rund 270 Euro drücken.

Ein Mindestbetrag machte Sinn, als Selbstständige in der Regel Firmen mit Angestellten betrieben. Als Hauptverursacher für den Anstieg gelten kleine Selbstständige mit geringem Einkommen, sogenannte Solo-Selbstständige. Rund zwei Drittel der Selbstständigen in Deutschland haben der Berliner Zeitung zufolge allerdings ein eher niedriges Einkommen. Der Markt wird demnach inzwischen von Solo-Selbstständigen dominiert, die weder Angestellte, noch ein hohes Einkommen haben. Für den Versicherungsschutz sind damit monatlich 410 Euro fällig, da Selbstständige Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil selbst zahlen müssen. Zum Vergleich: Bei Arbeitnehmern beträgt der Anteil im Schnitt 8,4 Prozent.

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