Creditreform - Firmenpleiten auf niedrigstem Stand seit 1994

Unternehmenspleiten kosteten oder gefährdeten in diesem Jahr laut Creditreform 198.000 (Vorjahr: 221.000) Arbeitsplätze, mit Abstand die meisten bei der Fluggesellschaft Air Berlin mit 8600 Beschäftigten. Das Gros der Pleiten entfällt aber mit 82,7 Prozent weiterhin auf Firmen mit maximal fünf Mitarbeitern.

Bundesweit drückte der starke Wirtschaftsaufschwung die Zahl der Firmenpleiten auf den niedrigsten Stand seit 1994: 20 200 Unternehmen werden bis zum Jahresende nach Schätzung von Creditreform den Gang zum Insolvenzrichter antreten.

Die Firmenpleiten dürften 2017 auch offiziellen Daten zufolge das achte Jahr in Folge sinken.

Nach einer ebenfalls am Dienstag veröffentlichten Analyse der Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel werden fast 312.000 Unternehmen in Deutschland mit finanziellen Problemen ins Jahr 2018 starten.

Ende November stellte der Küchenhersteller Alno seinen Geschäftsbetrieb endgültig ein. Es hatte sich kein Investor für das Unternehmen gefunden, das im Sommer noch etwa 1860 Mitarbeiter beschäftigte, davon 1300 im Inland.

Rickmers: Für Schlagzeilen sorgte zudem eine Großpleite in der Schifffahrt: Die Hamburger Reederei Rickmers stellte im Mai Insolvenzantrag.

Solarworld: Zu den Großpleiten zählt auch die Insolvenz von Solarworld aus Bonn mit 1800 Beschäftigten. Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger bezifferten die Amtsgerichte auf rund 18,0 Milliarden Euro, was rund 3,4 Milliarden Euro weniger sind als ein Jahr zuvor. Insgesamt blieben die Gläubiger durch Unternehmenspleiten auf rund 26,6 (Vorjahr: 27,5) Milliarden Euro sitzen. Mit Sorge sieht die Auskunftei aber die hohe Verschuldung. "Im Durchschnitt sind - insbesondere im Mittelstand - rund zwei Drittel der Vermögenswerte mit Fremdkapital finanziert", erklärte Creditreform. Das wären nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei vom Dienstag nochmals 6,3 Prozent weniger als im bereits guten Vorjahr (21 560 Fälle). Daher bestehe durchaus das Risiko, dass diese Firmen irgendwann ihre Schulden nicht mehr bedienen können. "Heute überleben viele Unternehmen, weil die Zinskosten so niedrig sind". "Der Anstieg der Zahlen bei den finanzschwachen Unternehmen zeigt., dass wir uns auf eine Trendwende bei den Firmeninsolvenzen einstellen müssen".

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnte jüngst, die Niedrigzinsen hielten in vielen Ländern Unternehmen über Wasser, die unter normalen Bedingungen nicht überlebensfähig wären.

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