Millionen Menschen arbeiten unterhalb des Mindestlohns

Diese Schätzung liegt deutlich über den Zahlen aus der amtlichen Statistik, die auf Angaben der ArbeitgeberInnen basiert (rund 1,1 Millionen für das Jahr 2016).

Die Mindestlohnkommission der Bundesregierung teilte hingegen in ihrem Bericht 2015 mit, dass lediglich 1,4 Millionen Menschen in Deutschland unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro die Stunde arbeiteten. Das ergab eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, kurz DIW, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Im Jahr zuvor waren es sogar noch 2,1 Millionen gewesen.

Obwohl seit 2015 der flächendeckende Mindestlohn in Deutschland gilt, arbeiten Millionen Menschen für weniger Geld. Im Unterschied zur Regierung bezieht sich das DIW nicht auf die Angaben der Betriebe, sondern der Beschäftigten.

"Auffällig ist, dass einige Gruppen von Beschäftigten, die unter dem gesetzlichen Mindestlohnniveau entgolten werden, besonders betroffen sind: Das trifft auf Mini-Jobber, Beschäftigte in kleinen Firmen und Ausländerinnen und Ausländer zu". Das entspricht sieben Prozent aller Anspruchsberechtigten. "Wir sehen, dass im Jahr 2016 rund 43 Prozent der geringfügig Beschäftigten immer noch unter dem Mindestlohn verdienen, obwohl natürlich auch sie einen Anspruch darauf haben", sagt DIW-Forscherin Alexandra Fedorets, eine der Studienautorinnen.

Die auseinanderklaffenden Zahlen lassen sich laut DIW durch die unterschiedliche Datengrundlage der beiden Erhebungen erklären: Während die Mindestlohnkommission auf die Angaben der Unternehmen zurückgreift, befragte das DIW die Beschäftigten selbst im Rahmen des "sozio-ökonomischen Panels". "Auch sind Frauen stärker betroffen als Männer und Beschäftigte im Osten stärker als im Westen", ergänzt Marco Caliendo von der Universität Potsdam, Mit-Autor der Studie.

Wird der tatsächliche Stundenlohn der ArbeitnehmerInnen betrachtet, also auf Basis der tatsächlichen statt der vertraglichen Arbeitszeit gerechnet, steigt die Zahl derjenigen, die weniger als den Mindestlohn bekommen, laut SOEP-Daten von 1,8 auf 2,6 Millionen Personen an für das Jahr 2016.

"Die Einführung des Mindestlohns hat insofern eins ihrer Ziele erreicht, als das sie den niedrigen Löhnen einen starken Schub gegeben hat", so Studienautorin Fedorets.

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