Palästinenser-Proteste dauern an

Auch vor dem US-Konsulat in Istanbul versammelten sich mehrere Hundert Demonstranten. Der 24-Jährige aus dem Westjordanland habe sein Opfer am Zentralen Busbahnhof der Stadt angegriffen und schwer verletzt, teilte die Polizei mit. Sie sprach von einem "Terrorangriff". Der Angreifer wurde festgenommen, nach Angaben von Ärzten erlitt er eine Kopfwunde.

Die Proteste gegen die Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump werden schärfer: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete Israel am Sonntag als "terroristischen Staat", der "Kinder tötet".

Die am Mittwoch bekanntgegebene Entscheidung von Trump bricht mit der bisherigen US-Politik. Die USA hätten mit heftigen Reaktionen gerechnet, aber mutige Entscheidungen wie diese zögen so etwas nach sich, sagte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, dem Sender CNN. "Diese irrationale und provokante Entscheidung wird zu einer weiteren Intifada sowie mehr Extremismus und Gewalt führen", hieß es vom Außenministerium in Teheran. Mittlerweile sei Sonntag "und der Himmel ist nicht eingestürzt", sagte Haley. Er werde mit allen Mitteln gegen die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch die USA kämpfen. Dieser Anspruch wird international nicht anerkannt - außer von den USA. In anderen muslimischen Staaten wie Indonesien und Israels Nachbar Libanon kam es am Sonntag zu Solidaritätskundgebungen für die Palästinenser.

Nach Trumps Jerusalem-Entscheidung kam es am gesamten Wochenende zu Unruhen in der Stadt und in den Palästinensergebieten.

Sacha Wigdorovits

13 Polizisten wurden nach Angaben der israelischen Polizei verletzt. Palästinensische Extremisten feuerten vom Gazastreifen aus Raketen auf Israel ab.

Die teils gewaltsamen Demonstrationen gegen Trumps Entscheidung dauerten derweil an. Hunderte gingen auch in Rabat, der Hauptstadt Marokkos, auf die Straße.

Am Samstag lieferten sich Palästinenser im Westjordanland und entlang der Grenze zum Gazastreifen erneut Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller machte klar, die Stadt werde Antisemitismus und Rassismus auf Demonstrationen nicht dulden.

Papst Franziskus warnte am Sonntag vor einer "neuen Spirale der Gewalt" in Jerusalem. Der Papst bedauere die Zusammenstöße der letzten Tage und erneuere seinen Aufruf zur "Weisheit und Vorsicht aller Beteiligten". Der Konflikt war auch Thema beim Treffen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron mit Benjamin Netanjahu in Paris. Netanjahu forderte er zu Gesten an die Palästinenser auf, um dem Frieden in Nahost "eine Chance zu geben". Sein Sprecher betonte, Trump strebe weiterhin eine "dauerhafte Friedensvereinbarung zwischen Israelis und Palästinensern" an. Das jordanische Parlament entschied am Sonntag, das 1994 geschlossene Friedensabkommen mit Israel auf den Prüfstand zu stellen.

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