Wie die Stadt Jerusalem zum Konfliktfall wurde

Christen verbinden mit der Stadt den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu. Israel sieht Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt an, während die Palästinenser zumindest Ostjerusalem, zum Teil aber ebenfalls ganz Jerusalem als ihre Hauptstadt fordern.

Hier befindet sich die Knesset, der Sitz von Israels Präsident, das Oberste Gericht, die Hebräische Uni und die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Der Name bedeutet "Stadt des Friedens" (vom hebräischen Schalom). Im Koran ist Jerusalem als heiliger Ort genannt, hier hatte Mohammed seine nächtliche Gottesvision.

Um Jerusalem wird seit Jahrhunderten gestritten. Auf seinem Gipfel stand einst ein jüdischer Tempel. In den 50er-Jahren hatten allerdings mehrere Länder bereits ihre Vertretung in Jerusalem, hauptsächlich lateinamerikanische Staaten (Bolivien, Chile, Guatemala, Kolumbien, Costa Rica, die Dominikanische Republik, Haiti, Ecuador, El Salvador, Panama, Uruguay, Venezuela) und afrikanische Staaten (Cote d'Ivoire, Zaire - die heutige Demokratische Republik Kongo - und Kenia), aber auch die Niederlande. Davids Sohn, König Salomo, errichtete den ersten Tempel, der ebenso wie der zweite zerstört wurde. Jerusalem für 600 Jahre besetzt hielten.

Etwa 32 n. Chr. ließ der römische Präfekt Pontius Pilatus hier Jesus Christus, der u. a. auf den Stufen des Tempels gepredigt hatte, am Kreuz hinrichten.

Juden, Moslems, Christen - drei Religionen, drei Weltanschauungen, eine Heilige Stadt. Und viele religiöse Juden gehen nicht auf das ehemalige Tempelgelände, weil sie glauben, dass es dort eine göttliche Präsenz gibt. Inzwischen gab es in der Stadt auch eine christliche Bevölkerung. Den Christen wurde der Abzug aus der Stadt zugesichert.

Unter islamischer Herrschaft wurde bis 692 der Felsendom und die al-Aqsa-Moschee auf dem Gelände des Zweiten Tempels errichtet.

1099 zogen die christlichen Kreuzfahrer in Jerusalem ein. Das währte kurz: 1187 vertrieb Saladin, in Damaskus geborener Sultan von Ägypten, die Kreuzritter. Nach mehreren Kriegen nahmen 1516 die Osmanen Jerusalem als Provinzstadt in Besitz, die sie 1917 an die Briten übergeben mussten.

In den vergangenen Jahren hat Israel Fakten geschaffen und zum Beispiel auf palästinensischem Gebiet östlich der Stadt neue Siedlungen gebaut. Die arabischen Staaten lehnten den Plan ab.

Das britische Mandat endete am 14. Mai 1948, am selben Tag erklärte sich der Staat Israel für unabhängig. Er wurde zum Wallfahrtszentrum für alle Israeliten. Die Israelis bezeichnen die ganze Stadt Jerusalem als ihre Hauptstadt.

Im sogenannten Jerusalemgesetz von 1980 erklärte die Knesset "das vollständige und vereinigte Jerusalem" zur Hauptstadt Israels - also einschließlich Ostjerusalems.

Erstmals seit der Staatsgründung konnten Juden jetzt an der Klagemauer beten. Anders als die arabische Seite 1950 den Juden verweigerte Israel den Muslimen nicht den Zugang zu ihren heiligen Stätten, sondern unterstellte den Tempelberg bis heute einer autonomen muslimischen Verwaltung.

Die Klagemauer in Jerusalem. Seither beansprucht Israel die ganze Stadt als seine "ewige und unteilbare Hauptstadt".

1988 gab Jordanien seine Besatzung Ostjerusalems auf. Die muslimische Herrschaft über Jerusalem dauerte zwölf Jahrhunderte und damit länger als jede andere, sei es die israelitische, römische, persische oder die christliche. Hier könnte die Botschaft einziehen.

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