Will der Papst beim Vaterunser Jesus korrigieren?

Die französischen Bischöfe hatten beschlossen, die offizielle Übersetzung der Vaterunser-Bitte "führe uns nicht in Versuchung" zu ändern. Das sei "keine gute Übersetzung", sagte er laut Kathpress in einem Interview des italienischen Senders TV 2000, das am Mittwochabend ausgestrahlt wird. Ein Vater mache so etwas nicht, sondern helfe, wieder aufzustehen.

Streit um das wichtigste Gebet der Christenheit - zumindest um die deutsche Übersetzung! "Wer dich in Versuchung führt, ist Satan", sagte der Papst. Doch es sei "nicht Gott, der den Menschen in diese Versuchung stürzt, um dann zuzusehen, wie er fällt".

Warum geht dieser Konflikt so weit über Wortklauberei hinaus? Es gibt aber auch kritische Stimmen: Werden hier die Worte Jesu verfälscht?

Allerdings gibt es an der Übersetzung seit Langem Kritik: Jesus sprach Aramäisch, eine der Ursprachen des Nahen Ostens, und beherrschte Hebräisch.

Und führe uns nicht in Versuchung (oder jetzt neu: "Lass uns nicht in Versuchung geraten"), sondern erlöse uns von dem Bösen. Nun kommt aus Frankreich der Anstoß zu einer neuen Übersetzung des letzten Satzes im Vaterunser. Auch der Vorschlag "und führe uns IN DER Versuchung" kursierte in Fachkreisen. In katholischen Gottesdiensten in Frankreich lautet die betreffende Bitte seit dem ersten Adventssonntag: "Lass uns nicht in Versuchung geraten". Die bisherige Formulierung sei wörtlich aus dem griechischen Originaltext übersetzt.

Unterschiede zwischen katholischer und evangelischer Kirche in Deutschland gibt es in diesem Punkt bislang nicht: Auch in der reviderten "Lutherbibel 2017", für die viele Übersetzungen neu formuliert wurden, ist der Passus an den beiden Stellen im Evangelium unverändert.

Im Zusammenhang mit der französischen Initiative hatten auch Theologen im deutschen Sprachraum eine Anpassung verlangt. Inzwischen fordern auch deutschsprachige Theologen eine Änderung, andere wie der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer warnen vor einer Abwandlung des uralten Textes.

Papst Franziskus bemängelt, "und führe uns nicht in Versuchung" sei eine schlechte Übersetzung. Es gehe nicht, Jesus diesbezüglich zu korrigieren, so der frühere Dogmatikprofessor. Auch Papst Franziskus hat sich dafür ausgesprochen.

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