Afrikanische Flüchtlinge tragen neuen Tuberkuloseerreger in sich

Das Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universität Zürich hat zwischen Februar und November 2016 einen multiresistenten Tuberkuloseerreger bei acht Flüchtlingen aus dem Horn von Afrika identifiziert (Lancet Infect Dis 2018; online 8. Januar). Bestätigt sich die Vermutung, müssen die Betroffenen umgehend isoliert werden und eine mehrmonatige Behandlung mit sogenannten Reservemedikamenten über sich ergehen lassen.

In den folgenden Monaten wurde der gefährliche Keim bei weiteren Patienten nachgewiesen, die alle aus Ländern am Horn von Afrika nach Europa migrierten.

Die aussergewöhnliche Häufung veranlassten die Leitungen des NZM und des Bundesamts für Gesundheit BAG zu einer Warnung an die europäischen Kollegen. Gleichzeitig diagnostizierte auch das deutsche Referenzlabor in Borstel bei Hamburg einen Fall mit dem gleichen Erreger. Das NZM stellte dem European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) diemolekularbiologischen Daten zur Identifizierung weiterer möglicher Patienten in der EU zur Verfügung. Es infizierte die Betroffenen wahrscheinlich in einem lybischen Flüchtlingscamp, stammt ursprünglich jedoch wohl aus Somalia. Bei diesen Untersuchungen stiessen die europäischen Referezzentren auf insgesamt 21 Fälle. Dadurch sei eine weitere Ausbreitung des Erregers verhindert worden, schreiben die Studienautoren weiter.

Das überfüllte Lager rund 180 Kilometer südöstlich von Tripolis sei berüchtigt für seine unhygienischen Verhältnisse. "Der außerordentliche Fall hat zum Aufbau einer europäischen Warnorganisation für gefährliche Tuberkuloseerreger geführt", berichtet Keller.

Wer am Anfang des Ausbruchs stand und das Bakterium ins Camp eingeschleppt hat, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit nachvollziehen. Dort dürfte der Tuberkuloseerreger aufgrund neuer Mutationen die gefährliche Resistenzkombination entwickelt haben. Somit können Personen, bei denen ein Verdacht auf diesen Tuberkulosekeim besteht, innert Stunden diagnostiziert werden.

Ausgabe: