Bauernverband fordert radikalen Abschuss von Wildschweinen

Bauern halten dem entgegen, dass eine Wildsau noch sehr viel mehr und länger leidet, wenn sie an der Afrikanischen Schweinepest krepiert. Der Vizepräsident des Bauernverbandes, Werner Schwarz, sagte der Zeitung, die Tötung auch von Muttertieren.

Wie können wir verhindern, dass sich die Krankheit bis nach Deutschland verbreitet? In den Monokulturfeldern der Landwirtschaft kann der Jäger die Wildschweine nicht entdecken. "Kein Wildschwein läuft von Polen nach NRW, sondern die bekannten Ausbreitungswege der Afrikanischen Schweinepest sind Jagdtouristen und Fleischkonsumenten, die kontaminierte Nahrungsreste in der Landschaft hinterlassen", wird BUND-Landesvorsitzender Holger Sticht in einer Pressemitteilung zitiert. Einen vorbeugenden Impfstoff gibt es nicht.

Radikale Forderung des deutschen Bauernverbands: Die Berufsvertretung fordert den Abschuss von 70 Prozent der Wildschweine in der Bundesrepublik. Auch der Muttertierschutz müsse unbedingt eingehalten werden.

Agrarminister Christian Schmidt (CSU) stimmte dem zu. "Eine intelligente Reduzierung des Wildschweinbestandes spielt eine zentrale Rolle bei der Prävention", sagte er. In Hessen werde hingegen auf eine Aussetzung der Schonzeit zunächst verzichtet, da der Grossteil der Wildschweine bereits ganzjährig bejagt werden dürfe. Trotzdem ist das NRW-Landwirtschaftsministerium tätig geworden: Alle unteren Jagdbehörden, auch die des Oberbergischen Kreises, haben einen Erlass erhalten, gemäß dem die Schonzeit für Schwarzwild, die eigentlich am 15. Januar beginnt, auszusetzen ist, und zwar gleich bis März 2021. Nicht überall seien die Landwirte beispielsweise bereit, Schuss-schneisen in ihren Maisfeldern anzulegen. Würden auf den Streifen Wildkräuter ausgesät und Ende Juli für Biogasanlagen geerntet, bringe das Landwirten, Jägern, Brutvögeln und Insekten etwas.

Die Idee, massenhaft Wildschweine abzuschießen, ist nicht der einzige Lösungsvorschlag, mit der Schweinepest umzugehen. Die Streifen gälten aber nicht mehr als ökologische Vorrangflächen, wenn sie abgeerntet würden. "Die Politik muss da Lösungen präsentieren". "Gerade in Schilfflächen stapeln sich Wildschweine förmlich und vermehren sich". "Der Ruf nach Jagd in Naturschutzgebieten ist purer Aktionismus und lenkt von den Ursachen der großen Bestandsdichte von Wildschweinen ab", sagte Moritz Klose, Wildtierexperte beim WWF Deutschland. Die Umweltschutzorganisation WWF hält das nicht für sinnvoll. Die Zahlen gingen durch die Decke, seit der großflächige Anbau von Mais und Raps stark zugenommen habe. Das Interesse, den Wildschweinbestand einzudämmen, sei bislang vor allem in den Waldrevieren deutlich geringer als bei Jagdpächtern von Revieren im offenen Feld, gibt Taube zu bedenken. "Der Getreideertrag pro Fläche ist heute fast dreimal so hoch wie vor etwa 60 Jahren".

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