Berichte: Durchbruch bei GroKo-Sondierungen

Einige Meter weiter wirbt die Kampagnenorganisation Avaaz mit dem Slogan "Make Europa great again" für die EU. Schon der erste Schritt zur Neuauflage von Schwarz-Rot wurde zum gewaltigen Kraftakt. SPD-Chef Martin Schulz betont in einem fast vierminütigen Statement, für ihn stehe das Thema Europa im Vordergrund. Über gebrochene Versprechen müsste sich Schulz dann jedenfalls keine Gedanken mehr machen. "Champagner gibt es erst, wenn die Sondierungen gescheitert sind", sagt einer. Aber: "Es gibt dicke Brocken, die wir noch aus dem Weg zu räumen haben". Der jetzige Kanzleramtsminister ist Merkels engster Vertrauter und ihre Allzweckwaffe.

Einer der großen Brocken dürfte das Streitthema Familiennachzug von Flüchtlingen sein. Auch CSU-Chef Horst Seehofer, der Dritte im Bunde, ist "sehr", nein, "hochzufrieden". "Wir wollen unbedingt die Groko", sagt ein Spitzengenosse.

Ähnlich kritisch wie Schulz sollen sich auch die SPD-Politiker Stephan Weil und Thorsten Schäfer-Gümbel geäußert haben. Und dann: "Wir arbeiten alles ab, dann schauen wir mal".

Wien/Berlin. Es ist eine quälend lange Nacht im winterlich kalten Berlin. Danach wollen die Union und SPD den Familiennachzug für solche Flüchtlinge neu regeln und nur noch unter ganz bestimmten Voraussetzungen zulassen.

"Ich brauch frische Luft", erklärt de Maizière der wartenden Reporterschar um Mitternacht, als er für einen Spaziergang um den Block die SPD-Zentrale verlässt. Sachsens-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagt: "Wir sind optimistisch und wir kriegen das, denke ich, heute hin".

Damit bekennen sich die drei Parteien einerseits zu einem Voranschreiten in der Eurozone. Wie aus einem vorläufigen Sondierungspapier hervorgeht, das die Unionsseite einstimmig annahm, haben sich die Spitzen der drei Parteien auf eine Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung geeinigt. Agrarminister Christian Schmidt (CSU) meint: "Bis später".

Uhr: Ein CDU-Insider beschreibt die Stimmung bei den Sondierungen als "sachorientiert".

Bis zum Schluss rangen die Sondierer dem Vernehmen nach um die künftige Finanzpolitik und den Bereich Migration und Flüchtlinge.

Statt ein Jamaika-Bündnis zu schmieden, das es auf Bundesebene noch nie gab, heißt es für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zunächst: Auftrag zur Regierungsbildung nicht erfüllt.

Doch hätte der Tag schlechter laufen können für den SPD-Chef. Vor allem Schulz steht unter Druck. Zuvor hatten die Sondierer mehr als 24 Stunden verhandelt.

Uhr: Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hat bei einem Spaziergang frische Luft geschnappt. Im Willy-Brandt-Haus lautet das Credo - frei nach FDP-Chef Lindner - jetzt lapidar: "Lieber regieren als nicht regieren". "Wir kommen wieder rein", versichert Klöckner. Jene Partei, die er lange Jahre als Fraktionsvorsitzender und Bundesaußenminister mit prägte. In dieser Nacht gibt es immer wieder "schwere Turbulenzen" bzw. In Verhandlungskreisen heißt es, es werde noch rund eine Stunde verhandelt. "Das ist auch Ergebnis der Regierungszusammenarbeit von CDU, CSU und SPD".

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