Facebook legt wieder mehr Wert auf Familie und Freunde

Mehr Beiträge von Freunden und Familie im Newsfeed, dafür weniger von Unternehmen, Prominenten, Medien und politischen Gruppen: So soll Facebook wieder stärker auf das ursprüngliche Ziel ausgerichtet werden, persönliche Verbindungen zu ermöglichen, schrieb Gründer und Chef Mark Zuckerberg in einem Facebook-Beitrag in der Nacht zum Freitag. Es geht um russische Einmischung in den US-Wahlkampf 2016. Beiträge von teils gefälschten Nutzerprofilen erreichten rund 126 Millionen Nutzer und damit etwa die Hälfte der US-Wahlberechtigten.

Die Sichtbarkeit von Beiträgen hängt mit dem Facebook-Algorithmus zusammen.

DüsseldorfDie Zeiten, in denen es bei Facebook um Freunde, Familie und Anstupser ging, sind gefühlt ewig her: Heute dominieren im Newsfeed Nachrichten, aufgeblasene Markenbotschaften und virale Videos. Ob ein Beitrag im News Feed auftaucht, soll weniger als bisher von der Zahl der bereits erfolgten oder von Facebook erwarteten Interaktionen mit dem Beitrag abhängen. Gleichzeitig sollen spürbar weniger Beiträge von Firmen, Marken und Medien angezeigt werden. Zugleich wolle er dafür sorgen, dass Nutzer ihre Zeit bei Facebook sinnvoller nutzten.

Für viele Unternehmen und Medien dürften die Änderungen einen radikalen Einschnitt bedeuten.

Die Werbeanzeigen seien von den Modifizierungen nicht betroffen, sagte Facebook-Vizepräsident John Hegeman.

Damit ist laut Facebook-Chef Mark Zuckerberg Schluss.

"Es stimmt, dass die Verbreitung dieser Inhalte zurückgehen wird, und dies bedeutende Auswirkungen für das Ökosystem haben wird", sagte Produktmanager Hegeman. Das könnte den Wettbewerb um vorhandene Werbeslots anheizen.

"Ich ändere das Ziel für unsere Produkt-Teams: Statt sich darauf zu konzentrieren, Sie beim Finden relevanter Inhalte zu unterstützen, sollen sie Ihnen helfen, bedeutsamere soziale Beziehungen zu haben", erklärte Zuckerberg. Aber es passiere auch zu oft, dass die Nutzer dann doch nur passiv Filme anschauten, News läsen oder auf die nächste Aktualisierung warteten.

Ein Grund für die Änderungen: Kontakte über soziale Medien mit Menschen, die einem wichtig sind, sollen gut für das Wohlbefinden sein. Facebook fühle eine Verantwortung dafür, dass Dienste des Netzwerks gut für das Wohlbefinden seien, schrieb Zuckerberg.

Damit werde die Entscheidung auf lange Sicht auch für das Geschäft gut sein, so der Unternehmenschef. "Wir müssen das System neu fokussieren", sagte Zuckerberg der "New York Times".

Ausgabe: