Nach mehr als fünf Jahren Besetzte Berliner Schule geräumt

Damit ist nach fünf Jahren, einem Monat und drei Tagen die Besetzung weitgehend geräuschlos beendet. Daraufhin ordneten die Behörden die endgültige Räumung des Gebäudes an.

Auch in Zukunft sollen auf dem Gelände Flüchtlinge wohnen. Am frühen Morgen dieses 11. Januars betritt eine Gerichtsvollzieherin in Begleitung von Polizisten die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Schule. Viel ist nicht zu tun.

Vorgesehen ist bisher, in dem Gebäudeteil ein internationales Flüchtlingszentrum einzurichten. Von den zuletzt elf Flüchtlingen, die als Besetzer dort noch gelebt hatten, war nichts mehr zu sehen. 200 Flüchtlinge verlassen zwar die Schule und werden in Notunterkünften im Westen der Stadt untergebracht - doch einige Besetzer verbarrikadieren sich in der von Polizisten abgeriegelten Schule. Die Räumung verlief friedlich. Es ist das letzte Kapitel einer langen Geschichte, die man als frühes Symbol der globalen Flüchtlingskrise lesen kann.

Auch die Polizei war mit der Situation stets überfordert.

Alles begann Ende 2012, als sich nach dem Suizid eines iranischen Flüchtlings in Würzburg ein Protestmarsch in Bewegung setzte, um gegen die Zustände bei der Unterbringung von Flüchtlingen zu demonstrieren. Irgendwann erreichte der Zug Berlin.

Das Eingangstor der von Asylbewerbern besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg.

Im Mai 2014 wollte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg das Gebäude räumen lassen, brach das Vorhaben aber nach massiven Protesten ab.

Doch es zogen immer mehr Menschen in die Schule, irgendwann lebten Hunderte Obdachlose, Roma-Familien und Drogendealer aus dem nahegelegenen Görlitzer Park mit Flüchtlingen aus Kriegsgebieten zusammen, von denen einige schwer traumatisiert waren. Nach ihrem unerwarteten Einzug hausten die Besetzer unter katastrophalen Bedingungen.

Im Juni 2014 eskalierte die Situation, weil der Bezirk räumen wollte. Im Streit um eine der wenigen Duschen in dem Gebäude erstach ein Bewohner einen anderen. Die Flüchtlinge drohten mit Brandstiftung und damit, vom Dach in den Tod zu springen. Die Flüchtlinge durften danach erst mal bleiben, wo sie waren. Die befürchteten Ausschreitungen zwischen Polizei und Gegnern der Räumung blieben dabei am Morgen aus. Ein Projekt für das, trotz vieler Proteste, inzwischen Baurecht besteht.

Das Gebäude soll nun saniert werden, um es dann wieder nutzen zu können.

Der Kreuzberger CDU-Abgeordnete Kurt Wansner kritisierte gestern, dass es so lange gedauert habe, Herrmann trage die Verantwortung für die fünf Millionen Euro Kosten, die in den letzten Jahren aufliefen. Nun soll hier endlich der geplante "Campus Ohlauer" entstehen, 120 Wohnungen unter anderem für Flüchtlinge, die auf dem überhitzten Berliner Wohnungsmarkt kaum Chancen haben.

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