Neue Chefin für die Viennale

Tatsächlich wurde auch von Kennern des Filmfestivals bis zuletzt spekuliert, wer die Nachfolge antreten würde.

Das liegt auch daran, dass sich ein Großteil ihrer Arbeit bisher auf Mexiko konzentrierte: In Mexiko-Stadt gründete die 39-jährige Italienerin 2010 das Filmfestival Ficunam, das sie seither leitet. Auch Franz Schwartz, der bis zur Übergabe im März interimistischer künstlerischer Leiter bleibt, lobte seine Nachfolgerin.

Seit 2003 Tätigkeit als Kuratorin und Programmiererin bei internationalen Festivals in Mexiko und in Europa.

Eva Sangiorgi und Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Schließlich gelte für das Festival: "Abschottung ist Provinzialismus, und die Viennale ist das Gegenteil davon".

Die Bestellung Sangiorgis sei nach der auf den überraschenden Tod von Hurch folgenden Ausnahme-Viennale 2017 der richtige Schritt, unterstrich Viennale-Geschäftsführerin Rotter: "Ich freue mich, dass wir eine so wunderbare, frische neue Leiterin gewonnen haben". Bis zur Deadline am 5. Dezember langten 30 Bewerbungen ein - darunter 18 nationale und 12 internationale. Mit Sangiorgi erhält die Viennale auch erstmals eine rein weibliche Führung. Auch Festival-Präsident Eric Pleskow hatte in den letzten Jahren dafür plädiert, dass nach Hurch eine Frau den Posten übernehmen sollte.

Weniger erfreut könnten jene sein, die sich einen grundlegenden Strukturwandel beim Filmevent erhofft hatten. "Ich möchte in die Viennale all meine Erfahrung einbringen, ihr Erbe hochhalten und die Fähigkeiten des bewährten Teams nutzen", sagt Eva Sangiorgi. Da die nächste Ausgabe im kommenden Herbst startet, die Vorbereitungen dafür bereits laufen und Sangiorgi noch einen FICUNAM-Jahrgang im Frühling zu absolvieren hat, wären große personelle und verwaltungstechnische Änderungen allerdings ohnehin schwierig - zumindest ohne Festival-Hiatus oder eine Verzögerung der Nachbesetzung.

Sangiorgi selbst gab sich bei der Konferenz dankbar, nüchtern, freundlich und erwartungsvoll, hielt sich kurz und mit detaillierten Zukunftsplänen zurück. "Ich werde viele der Kooperationen fortsetzen, wie etwa die mit dem Filmmuseum", kündigte die designierte Festivalchefin an. Trotz ihres beruflichen Hintergrundes werde sie nicht notwendigerweise auf lateinamerikanisches Filmschaffen fokussieren, auch wenn sie natürlich einen entsprechenden Einblick in das Kino Südamerikas habe. Aufhorchen ließ ihr Vorschlag, die programminterne Trennung zwischen Spiel- und Dokumentarfilm aufzuheben - theoretisch zeitgemäß, praktisch gewagt. Weiters angedacht seien die verstärkte Förderung junger, unbekannter Regisseure, Festivalkontakte zu Bildungseinrichtungen sowie abendliche Gespräche zwischen Filmschaffenden und Publikum. Sangiorgi beherrscht vier Sprachen, Deutsch ist nicht darunter - während der Konferenz wurden ihr von einer Dolmetscherin diskret Übersetzungen zugeflüstert.

Eva Sangiorgi wird die neue Chefin der Viennale, dem größten Filmfestival Österreichs.

Hans Hurch wäre vermutlich zufrieden. Und auch in einer anderen Hinsicht unterscheid sich Sangiorni beim Ersteindruck von ihrem Vorgänger: Im Vergleich zu dessen altersweiser, schelmischer Verschmitztheit wirkt ihr Auftreten offenherzig und enthusiastisch.

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