Neue Hoffnung für die Bienen

Die Varroa-Milbe zählt weltweit zu den gefährlichsten Feinden der Bienen: innerhalb von ein bis drei Jahren könne sie ein Bienenvolk komplett ausrotten.

2016 bestätigte eine Studie der University of Maryland, dass die Varroa-Milbe eine tragende Rolle beim Kollaps der US-Bienenvölker spielt. Der Einsatz der Substanz Lithiumchlorid erfolgte durch Fütterung und erforderte nur einen geringen Arbeitsaufwand, so die Wissenschafter.

Nach über 25 Jahren Forschung steht mit Lithiumchlorid nun aber erstmals ein neuer Wirkstoff im weltweiten Kampf gegen die Varroa-Milbe zur Verfügung, der völlig anders wirkt als bisherige Mittel.

Es ist ein günstiger, einfach anzuwendender Wirkstoff gegen die gefährliche Milbe, der nach dem aktuellen Kenntnisstand der Forscher keine gefährlichen Nebenwirkungen für Bienen, Imker oder Verbraucher hat und in der Natur reichlich vorkommt: Das versprechen die Ergebnisse des Forschungsprojektes. Auch für eine Ablagerung im Honig gebe es bisher keine Anzeichen. So mussten Imker bislang befallene Bienenstöcke mit aggressiven Chemikalien behandeln, um den Bienenschädling wieder loszuwerden.

Die weltweiten Vorräte des Leichtmetalls Lithium werden auf mehr als 40 Millionen Tonnen geschätzt. Das leicht in Wasser lösbare Salz wird unter anderem als Trocknungsmittel und Enteiserlösung verwendet. "Bei unseren Versuchen haben bereits geringe Mengen der Salzlösung ausgereicht, um innerhalb weniger Tage die auf den Bienen aufsitzenden Milben abzutöten - ohne Nebenwirkungen für die Bienen", so Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde. In der Humanmedizin wird es seit Mitte des 20. Jahrhunderts als Antidepressivum eingesetzt.

Bevor der Wirkstoff nun als Medikament für Bienen auf den Markt kommen kann, seien weitere Tests nötig, erklärten die Forscher. Derzeit laufen den Angaben zufolge bereits Gespräche mit Unternehmen.

Laut Peter Rosenkranz haben die Hohenheimer Wissenschaftler einen "viel komplexeren Ansatz" verfolgt, der auf biogenetischen Verfahren basiert.

Und dann passierte es: "Bei Kontrollexperimenten konnten wir auch mit unspezifischen RNA-Bruchstücken, die weder bei den Bienen noch bei den Milben ein genetisches Ziel finden sollten, die Milben abtöten", berichtet Rosenkranz.

Sie hatten erfolgreich versucht, Genbruchstücke in die Varroa-Milben einzuschleusen. In der Milbe schalten die Bruchstücke lebenswichtige Gene aus. Während sie mit an Bienen verfütterten Genbruchstücken eigentlich etwas anderes prüfen wollten, fanden sie heraus, dass "etwas in der Mischung den Milben nicht bekam, während die Bienen keinen Schaden nahmen". Die RNAi-Methode würde funktionieren, wäre allerdings teuer und aufwendig, so Rosenkranz. Nach zwei Jahren Experimenten stießen sie schließlich auf den Mischungsbestandteil Lithiumchlorid als effektiven Wirkstoff.

Lithiumchlorid sei hingegen einfach herzustellen und relativ preiswert, so die Forscher aus Stuttgart.

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