Zahl der Organspender in Deutschland sinkt drastisch

Bereits 2016 war die Zahl der Spender auf einem historischen Tiefpunkt. Deutschlandweit gab es 2017 nach Angaben der Stiftung 797 Spender, 60 weniger als im Vorjahr.

Die Zahl der Organspender in Deutschland ist einem Bericht zufolge erneut dramatisch gesunken. Selbst der historische Spenden-Tiefstand von 2016 wurde noch einmal um rund acht Prozent unterboten, berichtet die 'Süddeutsche Zeitung'. Auch die Zahl der Lebendspenden sank von 659 im Jahr 2016 auf 620 im Jahr 2017. Die Zahl der transplantierten Organe von hirntoten Spendern fiel auf nur noch 2.664. Sie liegt damit unter der kritischen Marke von zehn pro eine Million Einwohner, die international als Voraussetzung für ein ernstzunehmendes Organspendesystem gilt.

Von der höheren Spendenbereitschaft im Ausland profitieren laut "SZ" Patienten in Deutschland. "Diese Dramatik kommt in den Sondierungsgesprächen für eine Neuauflage der großen Koalition mit keinem Wort vor", bemängelte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Nur Griechenland, Rumänien, Bulgarien und Albanien haben noch weniger Spender. Die Parteien ließen die Menschen auf der Warteliste für ein Organ allein. Brysch forderte, den Spendermangel zu einem Thema bei den Koalitionsverhandlungen zu machen. Von Luisa Zsolnay mehr. Im Vergleich: Ohne Lebendspende kamen beispielsweise laut SZ in Kroatien und Belgien mehr als 30 Organspender auf eine Million Einwohner, in Österreich mehr als 23. Die Zahl der Transplantationen lag in Spanien bei 5259. Spanien sei "das großzügigste Land der Welt", sagte Gesundheitsministerin Dolors Montserrat, und habe "eines der besten Gesundheitssysteme der Welt". Deutsche Patienten, die auf eine Organspende warten, profitieren dagegen von der Spendenbereitschaft im Ausland. Da einem Spender in der Regel mehrere Organe entnommen werden, konnten insgesamt 296 Nieren, Lungen, Lebern oder Herzen an kranke Menschen vermittelt werden. Ohne diese sähe es noch düsterer für die hiesigen Patienten aus. Die Situation sei "zutiefst besorgniserregend", resümierte kürzlich Axel Rahmel, Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Die DSO will ihre Statistiken für 2017 am Montag vorstellen.

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