Bericht: Polen fordert Landsleute im Ausland zur Denunziation auf

Update 17.08 Uhr: Nach Informationen des "Spiegel" bewertet die Bundesregierung das Vorgehen der polnischen Regierung mit Zurückhaltung: "Wir schätzen unsere polnischstämmigen Mitbürgerinnen und Mitbürger und das intensive Miteinander sehr", heißt es in einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes gegenüber dem "Spiegel".

Polen fordert im Ausland lebende Landsleute auf, anti-polnische Äußerungen an offizielle Stellen zu melden. "Bitte, dokumentieren Sie alle antipolnischen Äusserungen, Darstellungen und Meinungen, die uns schaden, und reagieren Sie darauf", zitiert das Medium aus dem Aufruf des Senatspräsidenten, der der nationalkonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) angehört.

Wie die "Tagesschau" berichtet, liege dem NDR dazu ein Schreiben vor, das "weltweit über Botschaften und Konsulate" in Umlauf gebracht wird. Informieren Sie unsere Botschaften, Konsulate und Honorarkonsulate über jede Verleumdung, die den guten Ruf Polens beeinflusst.

Der neue polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki wird an diesem Freitag von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit militärischen Ehren empfangen.

Die Botschaft des Videos: der polnische Staat hatte mit der Verfolgung und Ermordung von Juden nichts zu tun. Eine Einordnung dahingehend, dass auch polnische Menschen mit den deutschen Nationalsozialisten kollaboriert haben, findet hier keinen Platz.

Das so genannte "Holocaust-Gesetz" war Anfang Februar mit der Unterschrift des polnischen Präsidenten Andrzej Duda in Kraft getreten.

Es stellt Äußerungen unter Strafe, die "öffentlich und wahrheitswidrig dem polnischen Volk oder Staat" eine Mitschuld an den Verbrechen des NS-Staats zuweisen. Das Vorhaben hat eine diplomatische Krise mit Israel ausgelöst und belastet auch das Verhältnis zwischen Polen und der Ukraine.

Karczewski wendet sich an die Verbände der Auslandspolen. "Innerhalb weniger Tage ist durch die Länder, in denen wir leben, ein medialer Sturm gezogen, durch den die internationale Gemeinschaft nicht nur Polens Geschichte aber auch uns Polen mit einem anderen Blick betrachtet", schrieben die Kritiker.

Karczewski schrieb, Polen seien im In- und Ausland seit vielen Jahren "konfrontiert mit der schmerzhaften, ungerechten - und vor allem - faktisch nicht richtigen Formulierung "polnische Todeslager" ebenso wie mit der Beschuldigung, Polen sei in den Holocaust involviert gewesen". Dies sei eine Kränkung der nationalen Würde und des nationalen Stolzes, schreibt der polnische Politiker.

Der polnische Botschafter in Berlin, Andrzej Przyłębski teilte auf Anfrage des NDR mit, dass es sich bei dem Aufruf um "die üblichen Aufgaben einer diplomatischen bzw. konsularischen Vertretung" handele. Das Projekt namens "Rycerz" (Ritter) einer Antidiffamierungs-NGO wurde vom Außenministerium mitfinanziert.

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