Erzieher soll jahrelang Jugendliche in Heim missbraucht haben

Der 46-Jährige soll das Vertrauen der Kinder, das er als ihr Erzieher genoss, schamlos ausgenutzt haben.

Stefan W. arbeitete als Erzieher im Jugendhof Hirschkuppe, einem Heim für schwer erziehbare Kinder. Laut Landgericht Bückeburg soll W. die Opfer jeweils gezwungen haben, ihn oral zu befriedigen.

Dabei hinterließ er bei den Kindern nicht nur körperliche, sondern vor allem auch psychische Schäden.

Siegfried A. aus Bielefeld ist heute 30 Jahre alt. "Ich war höchst aggressiv, habe geraucht und die Schule geschwänzt", erinnert er sich im Gespräch mit dieser Zeitung. Zu dem Missbrauch soll es in dem Heim, aber auch auf Ferienfreizeiten und im Auto des Erziehers gekommen sein, hieß es in der Anklage. "Er war die einzige Person, der ich mich bis dahin anvertraut habe". W. habe ihm gezeigt, dass es noch einen anderen Lebensstil gebe als den, den er als Kind geführt habe; es entwickelte sich zwischen den beiden ein intensives persönliches Verhältnis, wie A. berichtet. "Er hat eine Abhängigkeit geschaffen", wie er es heute einordnet.

Zum ersten Mal passierte das bei einer gemeinsamen Autofahrt. "Darauf habe ich mich eingelassen". Ich konnte das nicht zuordnen.

Mehr als zehn Jahre lang vergeht sich ein Erzieher eines Kinderheimes an seinen Schützlingen. Sechs Jahre später muss sich Stefan W. vor Gericht verantworten. Sollte das Gericht von der Schuld des Angeklagten überzeugt sein, drohe ihm eine Haftstrafe von maximal zwei bis 15 Jahren. "Und die wird ans Tageslicht kommen". Deshalb sagt er heute: "Für sein Handeln hat man Konsequenzen zu tragen". Der Richter will 24 Zeugen hören.

Die Anwältin von Siegfried A., Heidi Saarmann, sieht immerhin "eine hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass das Verfahren in einer Verurteilung endet".

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