Nahles soll heute SPD-Chefin werden

"Es war deshalb richtig, dass Martin Schulz den Vorschlag gemacht hat, dass Andrea Nahles kommissarisch die Parteiführung übernimmt", sagte Dreyer.

Der aus Schleswig-Holstein kommende SPD-Vize Stegner ließ eine skeptische Haltung erkennen.

Zudem hat Nahles mit der Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange schon eine Gegenkandidatin. "Ich rate meiner Partei, dass wir Personalentscheidungen jetzt nach dem Mitgliedervotum treffen werden", so SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. Und - wenn sie ja sagt - die Bildung einer Bundesregierung, inklusive sozialdemokratischer Kabinettsliste. Doch in der Partei gärt es, regt sich Widerstand gegen das Ausdealen von Topjobs hinter den Kulissen. Sie sei eine "starke und gute" Kandidatin. "Sondern es muss ein geordnetes Verfahren geben".

Berlin - In der SPD kehrt weiterhin keine Ruhe ein. Johannes Rau war 1993 kommissarisch Vorsitzender - nach dem Rücktritt von Björn Engholm im Zuge der Barschel-Affäre. Kommissarisch führt Olaf Scholz die SPD bis zum Parteitag im April. Zum anderen haben sie rechtliche Bedenken: Nahles sei nicht stellvertretende Parteivorsitzende und nicht mal Mitglied des Vorstands. Das sei nicht besonders modern. Kurios, aber wahr: Die gut 460 000 Genossen entscheiden, ob die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt mit ihren 82 Millionen Einwohnern demnächst eine Regierung bekommt oder ob es auf Neuwahlen hinausläuft - bei einer parteiinternen Angelegenheit wie dem Vorsitz bleiben sie aber außen vor. Der Landesverband werde sich "zeitnah in den Gremien" mit Lange über ihre Bewerbung austauschen, erklärte er. "Vielleicht gibt es ja noch mehr Angebote, auch das fände ich gut".

Der neue kommissarische SPD-Chef Olaf Scholz hat derweil die Hoffnung geäußert, dass seine Partei auf mittlere Sicht wieder zu alter Stärke zurückfinden wird.

"Hinter uns liegen wirklich schlimme Tage", sagte Schwesig über die Posten-Diskussionen in der SPD.

► Seit rund 20 Jahren kennen die SPD Wahl- und Umfrageergebnisse nur eine Richtung: nach unten.

Nahles sollte es sich allerdings noch nicht allzu bequem machen im Chefsessel des Willy-Brandt-Hauses. Es gebe bisher die übliche Praxis, wenn jemand nominiert sei, dass die Person dann auch die Geschäfte übernehmen könne.

Schulz hatte nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen mit der Union angekündigt, den Parteivorsitz an Fraktionschefin Nahles zu übergeben und das Außenamt von Sigmar Gabriel zu übernehmen, falls die SPD-Basis einer neuen großen Koalition zustimmt.

► Aus dem Schulzzug droht der Scholzzug zu werden.

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