SPD Schleswig-Holstein gegen Nahles als Parteichefin

Genau diesen Kandidaten muss Nahles nun den SPD-Mitgliedern zügig präsentieren. Die SPD habe bei den Koalitionsgesprächen "eigentlich sehr gut verhandelt".

In der Achterbahn dauert der Nervenkitzel wenige Minuten.

Womöglich ist der heutige Dienstag für Martin Schulz der letzte Tag als SPD-Vorsitzender. Es ist ein kompletter Rückzug von Martin Schulz. Die Kritiker des Nahles-Schnellverfahrens argumentieren aber, in der Satzung sei niedergeschrieben, dass der Parteichef mehrere Stellvertreter habe - und deren ureigenste Aufgabe sei es, den Vorsitzenden zu vertreten, wenn dieser ausfalle. Aber sie hinterließe eine große politische Leerstelle. Die Partei weiß es auch nicht mehr.

Das Amt der Bundesvorsitzenden der SPD sei "von weitreichender Bedeutung für die gesamte Partei und das gesamte Land und darf nicht von einer kleinen Gruppe intern festgelegt werden", schrieb die 41-jährige Lange in einem Brief an den Bundesvorstand der Partei. Jetzt weint sie ihm keine Träne nach.

Der Wechsel von Martin Schulz zu Andrea Nahles an der SPD-Parteispitze in Deutschland wird einem Zeitungsbericht zufolge schneller gehen als bisher bekannt. Von Christoph Hickmann mehr. "CDU und SPD müssten Neuwahlen fürchten".

Die Abendzeitung fordert auch von den "verbliebenen SPD-Granden", mit dem Postengeschacher aufzuhören: "Es nervt". Begleitet wurde der "Putsch" von einer fulminanten Rede der damaligen Juso-Chefin Nahles, Lafontaine nannte Nahles mal ein "Gottesgeschenk" für die SPD. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen erfuhr, hat sich Gabriel mit seinen jüngsten, gegen Schulz gerichteten Aussagen extrem geschadet.

Dreyer äußerte sich nicht dazu, ob Nahles längerfristig an der Spitze bleiben soll und verwies auf das Entscheidungsrecht des Bundesparteitags: "Die Delegierten werden entscheiden, wer den SPD-Vorsitz dauerhaft übernimmt".

Kehren, kitten, schuften, aufbauen. Mit meiner Kandidatur stelle ich klar, dass es auch Alternativen zu Andrea Nahles gibt. Nahles sagte, aus ihrer Sicht sei die kommissarische Parteiführung durch Scholz "eine gute Lösung", mit der "wir uns viele Debatten ersparen". Merkel war vor zwanzig Jahren ein eher unbeschriebenes Blatt.

Doch es gab auch Widerstand gegen eine vorzeitige Übernahme des Parteivorsitzes. Der Landesvorstand sei am Montagabend nahezu einhellig der Auffassung gewesen, dass zunächst einer der Stellvertreter von Schulz die Partei führen sollte, berichtet der RBB. Der Werbefeldzug in der SPD für die Groko wird die Feuerprobe für Nahles. Es gehe nicht gegen die Person Nahles, sondern darum, ein geordnetes Verfahren zu finden, damit nicht der Verdacht aufkomme, da werde etwas ausgeklüngelt, sagte der Bundestagsabgeordnete Sönke Rix, der Mitglied des Gremiums ist.

Seit Gründung der Bundesrepublik gab es nur zwei vergleichbare Fälle bei der SPD: 2008 übernahm Frank-Walter Steinmeier kommissarisch die Führung, nachdem Kurt Beck im Streit um die Kanzlerkandidatur abgetreten war. Parteilinke wollen deshalb eine eigene Abstimmung über die Parteichefin. Sie kritisierte, die SPD brauche keine "Weiter-so-Verwalterin, sondern eine inhaltliche Erneuerung".

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