Strafbefehle wegen Misshandlung von Affen erlassen

Tübingen:Anklage wegen Tierversuchen im Max-Planck-Institut TübingenDie Staatsanwaltschaft Tübingen hat gegen drei Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts in Tübingen Strafbefehle beantragt. Das Tübinger Amtsgericht habe die Verantwortlichen aufgefordert, eine Geldstrafe zu bezahlen. Sie sollen von 2013 bis 2015 bei drei Affen die Versuche zu spät beendet und dadurch den Tieren länger andauernde Leiden zugefügt zu haben. Sollten sie den Einspruch auch nach ihrer Akteneinsicht aufrechterhalten, komme es zu einer Gerichtsverhandlung, sagte Amtsgerichtsdirektor Rainer Ziegler. Die Tiere mussten mehrfach stundenlang giftige Dieselabgase einatmen. VW-Manager waren laut Dokumenten und Gerichtsakten die treibende Kraft hinter den Experimenten. Sie waren demnach an genehmigten Versuchen zur Hirnforschung beteiligt.

Das Vorhaben erlaubte u.a. chirurgische Eingriffe am Zentralnervensystem von Rhesusaffen, um einen Zugang zum Gehirn der Tiere zu ermöglichen. Inzwischen wurden an dem Institut die Versuche mit Affen eingestellt - nach Angaben des verantwortlichen Forschers Nikos Logothetis, weil ihm der Rückhalt aus der Wissenschaft fehlte. Er forscht zu neuronalen Mechanismen der Wahrnehmung und Objekterkennung.

Ferner sollten entsprechend der Genehmigung die Versuchstiere getötet werden, wenn dies für eine wissenschaftliche Untersuchung erforderlich oder das Wohlergehen des Tieres wegen einer Verletzung oder Infektion gefährdet wäre. Sie konnten nach Erkenntnis der Staatsanwaltschaft nicht über den Abbruch von Versuchen entscheiden. Dazu gab es demnach auch bestimmte Kriterien.

Entgegen den festgeschriebenen Abbruchkriterien sollen die Forscher laut der Behörde aber drei Tiere "trotz entsprechender Anzeichen und Auffälligkeiten" verspätet eingeschläfert und dadurch "eine erhebliche und längere Beeinträchtigung des Wohlbefindens der Affen" verursacht haben. Nun hat die Staatsanwaltschaft Strafbefehle wegen Tiermisshandlung erlassen - auch gegen einen bekannten Forscher.

In rechtlicher Hinsicht wertet die Staatsanwaltschaft Tübingen die Taten als Tiermisshandlung durch Unterlassen, für die das Tierschutzgesetz einen Strafrahmen von Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe vorsieht.

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