Demokrat sieht sich bei Nachwahl in Pennsylvania als Sieger

Das Rennen um einen vakanten Sitz im Repräsentantenhaus war äußerst eng: Bei 99 Prozent der ausgezählten Stimmen für den 18. Distrikt lag der Demokrat Conor Lamb mit nur 847 von rund 223.000 Stimmen vor dem Republikaner Rick Saccone. Und während sich die Republikaner an die interne Kür des Nachfolgers machten, trat bei den Demokraten ein junger, unbekannter Mann auf den Plan, der jetzt der Albtraum der Konkurrenz ist.

Er könnte ein Vorbild dafür werden, wie die Demokraten die Zwischenwahlen im November gewinnen könnten.

Der US-Nachrichtensender CNN berichtete, Lamb liege mit einem Stimmenanteil 49,8 Prozent derzeit 0,2 Prozentpunkte vor seinem republikanischen Widersacher Saccone.

Unter normalen Umständen würde sich niemand außerhalb von Pennsylvania für die Wahl an diesem Dienstag interessieren. Trump hatte dort zudem 2016 bei der Präsidentenwahl einen Vorsprung von fast 20 Prozentpunkten eingefahren.

► Die Wahl war nötig geworden, weil der Republikaner Tim Murphy 2017 wegen einer Affäre zurückgetreten war.

Bei den Republikanern hat deshalb Panik eingesetzt. Spenden von demokratischen Organisationen in Washington hat er abgelehnt, und die einzige Parteigrösse, die Lamb für sich werben liess, ist der ehemalige Vizepräsident Joe Biden. Er hatte am Samstag mit einem Auftritt in Pennsylvania sein ganzes Gewicht für Saccone in die Waagschale geworfen. Wichtiger ist für beide Parteien aber die kurzfristige Sicht, die Symbolik: Ein Triumph muss her, um jeden Preis.

Der Demokrat Lamb (33), ein Ex-Marine und früherer Staatsanwalt, hatte vergleichsweise konservative Positionen bezogen. Er entspricht in vielem nicht dem, was sich Demokraten im übrigen Amerika vorstellen, wenn sie vor den nationalen Zwischenwahlen im Herbst vom triumphalen linken Comeback träumen. Im allerersten Wahlkampfvideo, das er veröffentlichte, zählt eine Stimme über erhebender Melodie auf, was Lamb ausmacht: in der Gegend aufgewachsen, an der katholischen Universität studiert, in der Armee gedient, und: "Er schießt immer noch gerne".

Der letzte Satz ist wichtig im Südwesten Pennsylvanias, wo der jährliche Start der Jagdsaison ein Feiertag ist. Stattdessen unterstützte Lamb die jüngst von Trump verhängten Strafzölle für Stahl und Aluminium und lehnte eine Verschärfung der Waffengesetze ab.

Überhaupt verzichtete Lamb weitgehend darauf, Trump anzugreifen. Er distanzierte sich auch deutlich von den nationalen Demokraten. Über kaum eine Wählergruppe wurde nach Trumps Wahlsieg so viel geschrieben, meist ging es darum, wie sich diese Leute von den Demokraten im Stich gelassen fühlten, weil die ihre Interessen nicht mehr vertraten.

Die Kandidatur von Lamb ist unter Demokraten nur bedingt als ein taugliches Muster für die Wahl im November zu betrachten.

Trumps Beliebtheitswerte sehen auch in Pennsylvania nicht sehr gut aus. Saccone ist seit Jahren Abgeordneter im Bundesstaat. Deshalb begrüßt Saccone die Importzölle auf Stahl, überhaupt alles, was der Präsident sagt und tut.

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