Die Wahlen von Angela Merkel zur Bundeskanzlerin

Wer die Abweichler sind, ist geheim. Auch der zurückgetretene SPD-Chef Martin Schulz - inzwischen einfacher Bundestagsabgeordneter - hat versprochen, für Merkel zu stimmen.

Berlin - Rund sechs Monate nach der Bundestagswahl hat sich Angela Merkel zum vierten Mal nach 2005, 2009 und 2013 zur Kanzlerin wählen lassen. Die Koalitionsfraktionen von Union und SPD verfügen über 399 Sitze, für die Kanzlermehrheit waren mindestens 355 Stimmen nötig. Sie bekommt damit 51 Stimmen weniger, als ihr die große Koalition aus CDU, CSU und SPD theoretisch hätte geben können. Dreimal hat die SPD-Fraktion dann die CDU-Vorsitzende zur Regierungschefin gemacht haben (2005, 2013, 2018) - Brandt wurde nur zweimal zum Kanzler gewählt (1969 und nach der Neuwahl 1972). "Bei uns war die Lage sehr geschlossen, darum kann ich mich nur wundern", sagte SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles. Schäuble wünschte Merkel daraufhin "von Herzen Kraft und Erfolg und Gottes Segen bei der Bewältigung ihrer grossen Aufgabe". Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Merkel bereits zur Bundeskanzlerin ernannt.

Mit der Wiederwahl Merkels hat die SPD die politische Widersacherin im Bundestag öfter zur Kanzlerin gewählt als die eigene Parteiikone Willy Brandt zum Kanzler.

In einem Mitgliederentscheid hatte sich aber eine deutliche Mehrheit der Sozialdemokraten dafür ausgesprochen.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte, es sei "müßig zu spekulieren", wer bei Union oder SPD Merkel nicht gewählt habe. FDP-Vize Wolfgang Kubicki sagte angesichts der Abweichler in den Reihen der Koalition, das sei "kein gutes Zeichen, ein Menetekel".

Weil das Grundgesetz einen bestimmten Verlauf vorschreibt, werden einige Regierungslimousinen die rund zwei Kilometer zwischen dem Reichstag und dem Schloss Bellevue am Mittwoch mehrfach hin und her pendeln. Dann fährt sie zurück in den Bundestag, wo sie um 12.00 Uhr von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) vereidigt werden soll. Bundespräsident Steinmeier will dabei eine Rede halten. Danach sollten auch ihre Minister ernannt und vereidigt werden. Während die Kanzlerin in den Wagen stieg, der sie zu Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bringen sollte, stellten Sicherheitskräfte den Mann ruhig, in dem sie ihn auf den Boden drückten. Nach dem Protokoll kommt das Kabinett am Nachmittag um 17 Uhr zu seiner ersten, konstituierenden Sitzung zusammen.

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