Drei Tote Wie gefährlich ist das Bornavirus?

Diese sind aber sehr selten. Denn die Ursache der Gehirnentzündungen war mit der Standarddiagnostik nicht zu finden. Sie hätten sich mit hoher Sicherheit über transplantierte Organe desselben Spenders angesteckt.

Bei Pferden sind Infektionen mit Borna-Viren - benannt nach dem Ort Borna bei Leipzig - seit mehr als 100 Jahren bekannt. Der Weg des Virus zum Menschen ist bisher unklar. Nun sind offenbar auch drei Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem gefährlichen Virus gestorben. Eine weitere solche Infektion wurde allerdings bei einer Patientin mit massiver Enzephalitis belegt, und ein zusätzlicher Verdachtsfall wird abgeklärt. Das RKI hatte kürzlich von zwei Todesfällen berichtet, in denen das FLI, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, Ende 2016 hinzugezogen worden war. Das bei den Patienten nachgewiesene klassische Bornavirus unterscheidet sich von dem im Jahr 2015 bei Züchtern exotischer Hörnchen als Verursacher von Enzephalitis beschriebenen Bornavirus der Hörnchen (Variegated Squirrel Bornavirus 1; VSBV-1).

Diesmal aber entdeckten die Forscher dank spezieller Analysemethoden das klassische, von Pferden und Schafen bekannte Bornavirus. "Danach wurde bei Gehirnentzündungen bisher nicht gesucht, weil es keine Hinweise gab, dass es eine Rolle spielen könnte", sagte Beer.

Drei Menschen starben an den Folgen einer Gehirnentzündung, die aller Wahrscheinlichkeit nach durch das Bornavirus ausgelöst wurde.

Ziel ist es jetzt, neue Nachweismethoden zu entwickeln, um Bornavirus-Infektionen bereits in einem frühen oder chronischen Stadium erkennen zu können, sagte Hartmut Hengel, Präsident der Gesellschaft für Virologie und Virologe an der Universität Freiburg.

Im Fall des Organspenders müsse eine derartige Infektion vorgelegen haben, so dass die Person gesund erschien und Organe transplantiert werden konnten. Zudem ist unklar, ob Vorerkrankungen in den nun dokumentierten Fällen eine Rolle spielen. Zum Krankheitsbild bei Tieren gehören unter anderem Bewegungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten. Häufig sterben sie an den Folgen. In Deutschland vermehrt es sich jedoch überwiegend unter Feldspitzmäusen. Wie genau ist unklar, jedoch gehen Forscher des FLI in Greifswald von einer direkten Übertragung durch Kratz- oder Bissverletzungen aus. Nachgewiesen sind Borna-Viren in einigen Regionen in Ost- und Süddeutschland sowie Teilen Österreichs, Liechtensteins und der Schweiz. Am RKI hatten Forscher seit Anfang der 90erJahre zu möglichen Infektionen des Menschen geforscht.

Damals hieß es, dass man trotz jahrelanger Bemühungen keinen belastbaren Hinweis auf eine Gefährdung des Menschen gefunden habe.

Um das Virus und seine Gefährlichkeit gab es in der Vergangenheit eine wissenschaftliche Kontroverse.

Vermeintliche Bornavirus-Nachweise in menschlichen Proben waren später auf Verunreinigungen im Labor zurückgeführt worden. Viel Beachtung hatte das Thema auch deshalb gefunden, weil manche Forscher das Bornavirus als einen Faktor beim Entstehen von Krankheiten wie Depression und Schizophrenie darstellten.

Martin Beer vom FLI hob allerdings hervor: "Man muss die aktuellen Einzelfälle eindeutig von den Diskussionen der vergangenen 20 Jahre und den damaligen Untersuchungen abtrennen. Wir sehen jetzt eine ganz klare Symptomatik, wir haben Todesfälle und in den Proben der verstorbenen Patienten lassen sich sehr große Mengen an Virus-Erbgut nachweisen".

In einem mit Bundesmitteln geförderten Organisation ("ZooBoCo") möchten Forscher mehrerer deutscher Institutionen den offenen Fragen zu Bornaviren nachgehen - zum Beispiel zu Infektionswegen und Risikogebieten.

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