Eltern unterschätzen den Zuckergehalt von Nahrungsmitteln

"Dies könnte beispielsweise durch ein Ampelsystem - was sicher noch nicht perfekt ist - oder das aus Skandinavien bekannte Keyhole-Siegel, welches Produkte mit weniger Fett, Zucker und Salz kennzeichnet, geschehen", sagt Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs "Adaptive Rationalität" am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Wie viel Zucker in Lebensmitteln steckt, wird von der Mehrheit der Eltern falsch – in der Regel zu gering – eingeschätzt. Mattea Dallacker und Ralph Hertwig vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, sowie Jutta Mata von der Universität Mannheim untersuchten deshalb, wie gut Eltern den Zuckergehalt von verschiedenen Nahrungsmitteln und Getränken einschätzen können. Eltern, die den Zuckergehalt am meisten unterschätzten, hatten auch tatsächlich häufiger übergewichtige Kinder. Die WHO empfiehlt, dass der Zuckerkonsum für Kinder, wie auch Erwachsene, nicht mehr als zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr ausmachen sollte. Zudem ermittelten sie den Body-Mass-Index der Kinder. In Deutschland ist die verzehrte Menge fast doppelt so hoch, heißt es in einer Pressemitteilung des MPIB.

Wie das MPIB in einer Mitteilung berichtet, absolvierten die Eltern Zuckerschätzaufgaben am Computer, bei denen ihnen Bilder von sechs gängigen Nahrungsmitteln und Getränken gezeigt wurden: Orangensaft, Cola, Pizza, Joghurt, Müsliriegel und Ketchup. Bei Joghurt etwa unterschätzten sogar 92 Prozent den Zuckergehalt - und das im Schnitt um sieben Würfel. Ein Grund könnte sein, dass Eltern den Zuckergehalt von Nahrungsmitteln unterschätzen, wie eine deutsche Untersuchung jetzt zeigt, die in der Fachzeitschrift International Journal of Obesity veröffentlicht wurde. Das entspricht 60 Prozent der Gesamtzuckermenge des Fruchtjoghurts im Test. Dies ist ein potenzieller Risikofaktor für Übergewicht bei Kindern. "So hatten jene Eltern, die den Zuckergehalt unterschätzten, auch häufiger übergewichtige Kinder", sagt Dallacker. Lediglich bei Müsliriegeln und Ketchup überschätzten mehr Eltern den tatsächlichen Zuckergehalt. Dabei könnten transparente und auf den ersten Blick verständliche Kennzeichnungen helfen.

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