Ex-Spion: Im Fall Skripal informiert Großbritannien die Nato

Die russische Botschaft in London hatte am Dienstag via Twitter erklärt, Russland sei nicht in den Vorfall involviert. Russland müsse jetzt "rasche Antworten" auf die berechtigten Fragen der britischen Regierung geben.

Premierministerin May hatte Moskau aufgefordert, bis ein Uhr in der Nacht zu erklären, wie das Gift nach Großbritannien gelangen konnte. Andernfalls würden Gegenmaßnahmen ergriffen, hieß es.

Gefährliches Kräftemessen zwischen Moskau und London: Russland hat das britische Ultimatum nach dem Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal zurückgewiesen und ebenfalls Konsequenzen angekündigt. Im Laufe des Tages soll in London einem Sprecher Mays zufolge der Nationale Sicherheitsrat zusammenkommen, um das weitere Vorgehen zu erörtern. Russland sei bereit, mit Großbritannien auf der Ebene der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zusammenzuarbeiten, sagte Lawrow.

So bleibt unklar, welche Sanktionen Großbritannien plant. Erwartet wird, dass London russische Diplomaten ausweist. Die britische Regierung, die Russland hinter dem Anschlag vermutet, hatte der russischen Regierung ein Ultimatum bis Dienstag um Mitternacht gestellt und mit Sanktionen gedroht. Er forderte einen kompletten Zugang zu den Ermittlungen und zu den verdächtigen Proben, um eine eigene Analyse der verdächtigen Substanz vorzunehmen.

Die britische Innenministerin Amber Rudd kündigte an, dass etwa 14 Todesfälle in Grossbritannien mit einer möglichen Verbindung nach Russland erneut untersucht werden.

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow sagte: "Russland ist nicht schuldig".

Der 66-jährige frühere russische Agent Skripal und seine 33-jährige Tochter Julia waren am 4. März in Salisbury südwestlich von London bewusstlos auf einer Bank aufgefunden worden. Auch finanzielle Maßnahmen gegen Oligarchen, die Immobilien in London besitzen, seien denkbar. Russland hat nach eigener Darstellung alle seine Chemiewaffen zwischen 2002 und 2017 vernichtet. Sie befinden sich in einem kritischen Zustand. Bei dem Anschlag wurde nach britischen Angaben ein Mittel aus der Gruppe der Nowitschok-Nervengifte eingesetzt, die das sowjetische Militär in den 70er und 80er Jahren entwickelt habe. Die OPCW habe dies bezeugt, teilte das Industrieministerium in Moskau mit. May hatte am Montagabend erklärt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach Russland hinter dem Anschlag stecke. Rückendeckung erhielt Großbritannien unter anderem aus Deutschland, Frankreich, den USA und von der Nato. Die Anti-Terror-Polizei übernahm aber vorsichtshalber die Ermittlungen, sieht aber derzeit keine Verbindung zu dem Attentat in Salisbury.

Ein Vertrauter Beresowskis, der Geschäftsmann Nikolai Gluschkow, wurde vor wenigen Tagen tot in seinem Haus in London entdeckt.

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