Fahrerlaubnis: Mehr Rechtssicherheit für Diabetiker

Diabetiker hinterm Steuer? Das sei bis auf wenige Ausnahmen für fast alle, die diese Stoffwechselkrankheit haben, möglich. Fast alle Diabetespatienten können am Straßenverkehr teilnehmen, sowohl im Privat-Pkw als auch beruflich als Busfahrer, im Lastwagen oder Taxi.

In Deutschland sei schätzungsweise jeder zehnte Führerscheininhaber von Diabetes betroffen. Zu diesem Schluss kommt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) mit Bezug auf die neue Handlungsempfehlung für Patienten, Ärzte, Gutachter, Diabetesberater und Behörden, die die Fachgesellschaft am Donnerstag vorgestellt hat. Bislang wurde oft die Ansicht vertreten, insulinpflichtige Patienten könnten nicht als Bus- oder Lkw-Fahrer arbeiten, oder ein hoher Langzeitblutzuckerwert stelle einen Grund zur Verweigerung des Führerscheins dar.

Denn bisher gab es keine anerkannten medizinisch-wissenschaftlichen Grundsätze zur Bewertung der Fahreignung bei Diabetes. Die nun veröffentlichten Handlungsempfehlungen für Ärzte fallen großteils zu ihren Gunsten aus: "Nach allen verfügbaren Untersuchungen ist die Unfallhäufigkeit bei Menschen mit Diabetes nur unwesentlich erhöht", erklärte Reinhard Holl, Epidemiologe an der Universität Ulm und Mitautor der Leitlinie. Ein hoher HbA1c-Wert an sich sei kein Grund für ein Fahrverbot, eine Insulintherapie auch nicht. Zugleich könnten Ärzte ein ‚ärztliches Fahrverbot' aussprechen und Verhaltensvorgaben machen, wenn dies angezeigt sei.

Für Diabetiker bietet die Leitlinie den Vorteil, dass sie einfacher gegen ein fehlerhaftes Gutachten vorgehen und einen drohenden Verlust der Fahrerlaubnis abwenden können. Doch Wissenschaftler geben Autofahrern, die an Diabetes erkrankt sind, grünes Licht.

Eine grundsätzliche Fahruntauglichkeit bestehe demnach nur bei wiederholten schweren Unterzuckerungen oder Patienten mit Schlaf-Apnoe-Syndrom. "Ihnen sind klare Kriterien an die Hand gegeben", so Gallwitz. Gallwitz. "Die neue Leitlinie dürfte dazu beitragen, die Sicherheit im Straßenverkehr insgesamt zu verbessern", so das Fazit des DDG-Mediensprechers. "Bei zwei schweren Unterzuckerungen im Wachzustand innerhalb eines Jahres darf man zunächst nicht mehr Auto fahren", berichtet Prof.

Bei schweren Stoffwechselentgleisungen, in der Einstellungsphase auf Insulin und bei anderen Therapieumstellungen oder Dosisänderungen liegt eine vorübergehende Fahruntauglichkeit vor. So sollte beispielsweise "jeder Insulinpatient vor Fahrtantritt den Blutzucker messen und schnellwirkende Kohlenhydrate etwa in Form von Traubenzucker im Auto griffbereit haben", erläutert Professor Holl. Die Leitlinie zeigt Möglichkeiten auf, die Gefahr von Unterzuckerungen zu verringern und die Fahrtauglichkeit so wiederzuerlangen - durch eine Medikamenten-Umstellung, Wahrnehmungsschulungen oder eine kontinuierliche Glukosemessung mit akustischer Warnfunktion. Sie gilt, bis der Blutzuckerstoffwechsel stabil ist.

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