FSME-Infektionen durch Zecken breiten sich auch nach Norden aus

Stuttgart - Mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) infizierte Zecken breiten sich in Deutschland Experten zufolge weiter in den Norden aus. Für das vergangene Jahr steht eine Zahl von 180 Fällen im Südwesten, ein überdurchschnittlicher Wert.

Dobler nannte eine Schwankungsbreite der letzten Jahre von 250 bis 500 Erkrankungsfällen. Den deutlichsten Anstieg der Erkrankungsfälle habe es entlang des Alpenkamms gegeben.

Auch in Baden-Württemberg sei die Zahl der Erkrankungen im Jahr 2017 ungewöhnlich hoch gewesen, bestätigt Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Stuttgart. Die Entwicklung sei regional sehr unterschiedlich: So sei die Zahl der Infektionen etwa in Unterfranken stark zurückgegangen, in der Alpenregion in einigen Tälern hingegen deutlich nach oben gegangen. Der Rekordwert stammt aus dem Jahr 2006 mit 281 FSME-Erkrankungen. 2017 seien acht solcher Fälle registriert worden, berichtete Mackenstedt. In dieser Statistik wird der Wohnort der Patienten erfasst, aber nicht der Infektionsort.

Stuttgart/Region Mehr Infektionen mit der tückischen Krankheit FSME, neue Hot-Spots im Norden Deutschlands und eine neue Zeckenart als möglicher Überträger: Es gibt schlechte Nachrichten zum Start der Zeckensaison. Experten warnen nun: Das gefährliche Virus breitet sich aus. "Wichtig wäre auch abzuklären, ob mit ihr nicht neue Krankheiten nach Deutschland gelangten, wie etwa das Mittelmeerfieber", so Mackenstedt.

Ein Erkrankungsrisiko birgt demnach auch Rohmilch. Offenbar habe es die Menschen nach der Kälte ins Freie gezogen - und das genau in der jahreszeitlichen Hochphase des Gemeinen Holzbocks, eine der FSME-übertragenden Zeckenarten. Zuverlässigen Schutz vor FSME bietet Experten zufolge nach wie vor nur eine Impfung. In Deutschland seien aber nur 20 Prozent der Bevölkerung geimpft. "Im Sommer 2017 gab es eine große Kältewelle". Meist hat ein Zeckenbiss keine gesundheitlichen Folgen, doch in manchen Fällen übertragen die Tiere Erreger von Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Antworten sollen unter anderem zwei Forschungsprojekte bringen. Ist die Zecke entfernt, sollte man die Bissstelle desinfizieren. Grundlage sind Beobachtungsdaten, die erstmals bundesweit erhoben werden.

Zecken lauern im Unterholz, in Büschen oder in hohem Gras. Sie kann zu einer lebensgefährlichen Entzündung der Hirnhaut, des Hirns oder des Rückenmarks führen.

Neben der Universität Hohenheim und der Veterinärmedizinischen Universität Wien bringen sich auch die TU Hannover, die Universität Leipzig, das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr und die Firma Tick-radar in die Feldstudie zur Bestimmung und Modellierung der Zeckendichte in Deutschland ein.

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