Stephen Hawking ist tot [1:21]

Der britische Astrophysiker Stephen Hawking ist tot. Er sei am frühen Mittwochmorgen in seinem Haus in Cambridge friedlich eingeschlafen, teilte seine Familie mit. Er war ein großartiger Wissenschaftler und ein außergewöhnlicher Mann, dessen Werk und Vermächtnis viele Jahre weiterleben werden. Die Fachwelt schätzte Hawking wegen seiner Theorien zum Ursprung des Kosmos und zu Schwarzen Löchern.

Große Erfolge feierte der Physiker unter anderem auch mit dem populärwissenschaftlichen Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit". Damals - so Hawking - sei ihm klar geworden, dass er mit seinem Leben noch einiges anfangen könne. In Wissenschaftskreisen fand seine Arbeit ebenfalls große Anerkennung, unter anderem hatte er 30 Jahre lang den berühmten Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Cambridge inne - und war damit ein Nachfolger Isaac Newtons.

Ärzte hatten Hawking bereits vor etwa einem halben Jahrhundert vorausgesagt, dass er an der Muskelschwäche Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) sterben werde. Hawking saß seit Jahren im Rollstuhl und verständigte sich mit einem Sprachcomputer, der ihm eine monotone roboterhafte Stimme gab. Als Forscher sei er sehr erfolgreich gewesen. Die dabei entstehende Hawking-Strahlung liess sich daher bisher nirgends nachweisen. Hawking zeigte aber in der Theorie, dass Schwarze Löcher langsam verdampfen - eine Folge der Quantenphysik. Später zeigte er jedoch, dass der Anfang des Universums nicht zwangsläufig in einer Singularität gelegen haben muss. Er war eine Art Popstar der Wissenschaft und schreckte nicht davor zurück, zu populären Ideen wie Zeitreisen und Außerirdischen Stellung zu nehmen. So spielte er in Serien wie US-Fernsehserie "Raumschiff Enterprise, der Zeichentrickserie "Die Simpsons" und "Big Bang Theory".

Seine Botschaft: Die Menschheit müsse sich Ausweichmöglichkeiten im All schaffen, falls es zu einer hausgemachten Katastrophe kommen sollte. "Früher oder später müssen wir zu den Sternen schauen". Gemeinsam mit dem russischen Milliardär Jurij Milner wollte er eine Armee winziger Raumfähren auf eine 20-jährige Reise schicken, um das Sternsystem Alpha Centauri auszukundschaften.

Ein Leben nach dem Tod - daran glaubte Stephen Hawking nicht. Ein Jenseits allerdings hielt er für ausgeschlossen. Angst habe er davor nicht, hatte Hawking stets gesagt. Vor dem Brexit-Referendum warnte er seine Landsleute vor einem Austritt aus der Europäischen Union: "Die Zeiten sind vorbei, in denen wir noch alleine gegen die Welt bestehen konnten", sagte er. Doch das hielt ihn von hochkomplexen Themen nicht ab: Gibt es einen Gott? Was auch immer Hawking dazu meinte, wurde viel diskutiert.

Was Hawking so faszinierend machte, war wohl nicht nur seine Schwäche für die grossen Fragen der Menschheit und der Wunsch seiner Zeit, für sämtliche Phänomene eine naturwissenschaftlich fundierte Erklärung zu finden. Es scheint auch die Symbolik zu sein, die bei seinen Auftritten mitschwang: Er konnte nicht mehr ohne Hilfe schreiben, nicht sprechen - aber mit dem Kopf reiste er zu den Sternen. "Ich bin der Archetypus eines behinderten Genies", sagte Hawking in einem Interview mit der BBC. "Die Menschen sind fasziniert von dem Gegensatz zwischen meinen extrem eingeschränkten körperlichen Fähigkeiten und den gewaltigen Ausmaßen des Universums, mit dem ich mich beschäftige". Sein Leben als junger Wissenschaftler wurde 2014 mit dem Film "Die Entdeckung der Unendlichkeit" auf die Leinwand gebracht.

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