Viele Medikamente stören die Darmflora

Wie Forscher nun herausgefunden haben, können nicht nur Antibiotika, sondern auch zahlreiche andere gängige Medikamente unsere Darmflora schädigen.

Ein Forscherteam um Peer Bork vom European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg testete 1.079 gängige Medikamente und deren Einfluss auf 40 verschiedenen Bakterien aus dem menschlichen Darm.

Laut den Forschern verursachen diese Medikamente antibiotika-ähnliche Nebenwirkungen und können zur Antibiotikaresistenz beitragen. Es stellte sich heraus, dass fast ein Viertel der Arzneistoffe (24 Prozent) das Wachstum von mindestens einem Bakterienstamm hemmte. Dennoch werden nicht alle Medikamente die Darmbakterien beeinflussen und nicht alle werden Resistenzen fördern.

Die Ergebnisse der Studie wurden vor kurzem im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht.

Der menschliche Darm enthält eine große Anzahl von Bakterienarten, die gemeinsam als Darmmikrobiom bezeichnet werden. Dass die 156 getesteten Antibiotika die Mikroben am Wachstum hindern, ist keine Überraschung - doch weit verbreitete Medikamentenklassen, zum Beispiel Protonenpumpeninhibitoren oder Antipsychotika, zeigten in den Versuchen ebenfalls antimikrobielle Wirkungen. "Diese Veränderung der Zusammensetzung unserer Darmbakterien trägt zu Medikamenten-Nebenwirkungen bei, kann aber auch Teil der positiven Wirkungen der Medikamente sein".

Sein Kollege Kiran Patil fügte hinzu: "Das ist erst der Anfang. Wir müssen diese Beziehungen noch eingehender untersuchen, da dieses Wissen unser Verständnis für die Wirksamkeit bestehender Medikamente dramatisch verbessern könnte".

Die Studie unterstrich auch das bislang unbemerkte Risiko, dass die Einnahme von Nicht-Antibiotika zu einer Antibiotikaresistenz beitragen kann.

"Das ist wirklich beängstigend", so Nassos Typas, "wenn man bedenkt, dass Menschen ihr ganzes Leben lang, häufig über längere Zeiträume hinweg, Medikamente einnehmen". "In einigen Fällen löst die Resistenz gegen bestimmte Nicht-Antibiotika sogar die Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Antibiotika aus und eröffnet damit Wege für die Entwicklung optimaler Wirkstoffkombinationen". "Das wird uns dabei helfen wird, zu verstehen, wie Menschen manchmal auf dasselbe Medikament unterschiedlich reagieren", sagt Georg Zeller. Somit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass viele Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Mikroben individuell unterschiedlich ausfallen.

Dies wiederum eröffnet Möglichkeiten für personalisierte, auf das individuelle Darm-Mikrobiom des Patienten abgestimmte Medikamentenbehandlungen.

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