Wirtschaft - 'Wiwo': Staatsanwaltschaft durchsucht erneut Büros bei Volkswagen

Die Zeitschrift Wirtschaftswoche berichtete, Anfang März hätten Ermittler 13 Büros in der Wolfsburger Zentrale des Autobauers durchsucht und dabei Papiere und größere Datenmengen beschlagnahmt.

Volkswagen hatte unmittelbar nach Bekanntwerden des Abgasskandals in den USA im Herbst 2015 mitgeteilt, bei eigenen Untersuchungen seien auch möglicherweise falsche CO2-Angaben bei Fahrzeugen festgestellt worden. Geprüft werde der Anfangsverdacht, dass eine von VW am 9. Dezember 2015 herausgegebene Adhoc-Mitteilung "objektiv inhaltlich falsch gewesen" sei, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der "Wirtschaftswoche".

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits gegen zahlreiche Beschuldigte im VW-Dieselskandal und geht auch dem Verdacht der Marktmanipulation gegen den früheren VW-Chef Martin Winterkorn, den damaligen Finanzvorstand und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch sowie gegen VW-Markenchef Herbert Diess nach.

Anfang März seien Papiere und mehrere Terabyte an Daten in den VW-Räumen sichergestellt worden, sagte der Braunschweiger Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe. In dieser hatte VW noch gemeldet, dass es bei der Bestimmung des CO2-Wertes für die Typ-Zulassung von Fahrzeugen "zu nicht erklärbaren Werten gekommen" sei. Aus dieser möglicherweise falschen Information des Kapitalmarkts ergebe sich der Verdacht auf Marktmanipulation. Volkswagen geht davon aus, der Publizitätspflicht ordnungsgemäß nachgekommen zu sein. "Wir haben Anhaltspunkte, dass mehr Fahrzeuge betroffen sind". Die Staatsanwaltschaft wolle jetzt den Tatverdacht "in alle Richtungen" überprüfen und feststellen, ob und wer von den Handelnden "die objektive Unrichtigkeit der Mitteilung kannte oder diese eindeutig hätte erkennen können". Die genaue Zahl steht noch nicht fest. "Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob Mitarbeiter von Volkswagen grob fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt haben", erklärte Ziehe.

Manfred Döss, Leiter Rechtswesen bei VW und Vorstandsmitglied der Porsche SE, bestätigte die Durchsuchung. "Und deswegen sind wir auch zu der Einschätzung bei uns gelangt, dass es vernünftig ist, hier die Ad-hoc-Mitteilung zu korrigieren".

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf Marktmanipulation. Kurz nach Bekanntwerden der Nachricht im Dezember 2015, dass VW keine weiteren Verwerfungen im Ausmaß des Dieselskandals auch im Falle des CO2-Ausstoßes drohen, hatten VW-Aktien kräftig zugelegt. Gerade erst hatte der VW-Konzern Milliardengewinne für 2017 verkündet - und trotzte damit den Debatten um Fahrverbote und Dieselkrise.

Neben den neuen Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Ausstoß von CO2 laufen zahlreiche Ermittlungsverfahren gegen Volkswagen-Mitarbeiter, darunter auch Manager. Auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt in diesem Zusammenhang. In drei Fällen geht es um Marktmanipulation, hinzu kommen Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter, der zum Löschen von Daten aufgerufen haben soll. Diese sogenannten Adhoc-Mitteilungen sind für Anleger und damit auch die Börsenkurse relevant.

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