Alliierten-Angriff: Erst fliegen in Syrien Raketen, jetzt Worte

Angesichts der ersten russischen Reaktionen scheint es mehr als fragwürdig, wie das Patt zwischen Russland und den drei westlichen UN-Veto-Mächten im Sicherheitsrat nun gebrochen werden sollte. Es ist Freitagabend, 21 Uhr, als er im Weißen Haus vor die Mikrofone tritt.

Trump, der französische Staatspräsident Emmanuel Macron und die britische Premierministerin Theresa May hatten erklärt, die Luftangriffe auf syrische Militäreinrichtungen seien notwendig gewesen, um Syrien vom weiteren Einsatz von Chemiewaffen abzuhalten. 9500 Kilometer entfernt fliegen US-Bomber und Jets der Briten und Franzosen ihre Ziele an. Moskau wird jetzt vor allem darauf setzten, Machthaber Assad durch Waffenlieferungen weiter zu stärken, damit dieser rasch den endgültigen Sieg über seine Gegner davonträgt.

US-Präsident Donald Trump sagte, die Angriffe seien die Antwort auf den Einsatz chemischer Waffen durch die syrische Regierung unter Präsident Baschar al-Assad gegen das eigene Volk. Ruslan Puchow, Chef des renommierten Moskauer Instituts für Strategieanalyse, sagte der Zeitung "Wedomosti": "Trump hat erneut bewiesen, dass er unberechenbar ist".

In der Lagerstätte bei Shin wurden chemische Kampfstoffe gelagert, es war auch eine Forschungseinrichtung. "Mission erfüllt!", schrieb er auf Twitter. Seine Bilanz: "Wir hätten kein besseres Ergebnis haben können".

Das Bürgerkriegsland Syrien kommt nicht zur Ruhe. Nicht einmal russische Stellungen seien angegriffen worden, die syrischen Streitkräfte hätten die Raketen mit jahrzehntealter Sowjettechnik schnell vom Himmel geholt. Wenige Zeit später feuerten die USA, Großbritannien und Frankreich 103 Marschflugkörper sowie Luft-Boden-Raketen gegen Objekte in Syrien ab. Daran knüpfte UN-Botschafterin Nikki Haley bei der Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates an, die auf Antrag Russlands am Samstag zusammentrat.

Trotz dieser Signale für einen Dialog gibt es bisher aber keine Bewegung in der Kernfrage des Syrien-Konfliktes: Der Westen will, dass Friedensverhandlungen mit moderaten oppositionellen Kräften aufgenommen werden, an dessen Ende auch ein Amtsverzicht des syrischen Präsidenten Baschar al-Assads stehen könnte. Acht Länder stimmten gegen die Resolution, vier enthielten sich.

Der Leiter des US-Generalstabs, Kenneth F. McKenzie, sprach ebenso wie Generalstabschef Joseph Dunford davon, das syrische Chemiewaffenprogramm sei "um Jahre zurückgeworfen" worden. Auch sei es nie darum gegangen, das "syrische Regime abzusetzen".

Kairo/Dhahran - Nur gut 24 Stunden nach den Militärschlägen auf Syrien trafen sich die Mitglieder der Arabischen Liga am Sonntag in der saudischen Stadt Dhahran zu ihrem ordentlichen Gipfel. Russland und Iran halten dagegen an ihm fest. Auch Ajatollah Ali Chamenei, Irans oberster Führer, verurteilte die westlichen Angriffe scharf. Zudem sind Assads Truppen seit der Unterstützung durch die russische Luftwaffe und vom Iran gesteuerter Milizen auf dem Vormarsch. Der Angriff sei zum Zeitpunkt intensiver Friedensbemühungen erfolgt.

Das US-Verteidigungsministerium erklärte dagegen, jedes Ziel sei erfolgreich getroffen worden. "Die Luftangriffe in der Nacht auf Samstag waren als Vergeltung gegen den wiederholten völkerrechtswidrigen Einsatz von chemischen Waffen gemeint", sagte er. US-Verteidigungsminister Mattis sagte, der Schlag sei härter gewesen als der im Vorjahr. Die Angriffe hätten "die Aussichten auf eine politische Einigung in Syrien erheblich beeinträchtigt", hieß es in der Erklärung aus Moskau weiter. Russland spricht von einer Inszenierung der Attacke und weist den Vorwurf einer Mitverantwortung ebenso zurück wie Syrien. In den vergangenen Wochen hatten die syrischen Streitkräfte eine beispiellose Kampagne von Luftangriffen auf Ost-Ghuta geführt. Mit Bussen wurden die Dschihadisten und ihre Angehörigen nach Nordsyrien evakuiert.

In Damaskus kreisten kurz nach dem letzten Raketeneinschlag lärmende Autokorsos mit syrischen Fahnen durch die Straßen. Vor gut einem Monat ließ er sich dabei filmen, wie er höchstselbst nach Ost-Ghuta fuhr, um seinen Sieg zu demonstrieren. "Und wenn die Welt in Flammen aufgebt", skandierten einige aus der Menge.

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