Borussia überrennt Bayer: Nach 4:0 auf Champions League-Kurs

Mit einem beeindruckenden 4:0 (1:0)-Sieg gegen Bayer Leverkusen hat Borussia Dortmund ein Ausrufezeichen gesetzt. "Kein Wille, keine Leidenschaft, kein Mut, keine Mannschaft - niemand verkörpert Borussia Dortmund so wenig wie ihr", ätzte die Südtribüne auf einem weiteren, noch größeren Plakat. Mit dem schnellen 2:0 war allerdings jedes Bemühen konterkariert.

Für den Fall, dass es eines Beleges bedurfte, dass die Zeit der Freundlichkeiten in Dortmund vorüber ist, geriet der Prolog zum Spitzenspiel gegen Leverkusen eindrucksvoll.

Als Konsequenz dieser Aufarbeitung flog Kapitän Marcel Schmelzer überraschend aus dem Kader, ein "sportliches Statement", wie Stöger bei Sky betonte. "Den Stellenwert des Derbys nicht verstanden - Versager" war auf einem meterlangen Transparent zu lesen. Seine um vier Positionen umgebaute Starformation bot ein völlig anderes Bild als bei der Derby-Niederlage. Aber beim Fußball gelten offenbar andere Regeln. Der BVB spielte weiter wie aufgedreht. Manuel Akanji vertrat Schmelzer auf der Linksverteidigerposition, Julian Weigl, Jadon Sancho und Mario Götze rückten neu in die Mannschaft. Aber Sancho lernte schnell: Auf Vorlage von Christian Pulisic schlenzte er den Ball an Özcan vorbei ins Tor (13.).es war der erste Bundesligatreffer des Engländers. Marco Reus (55.) legte nach, zudem verschoss der Nationalspieler einen Foulelfmeter (37.). Eine Premiere, die erleichternd wirkte. "Die Fans haben ihren Unmut nach der Derbyniederlage gezeigt". Dazu der BVB im Allgemeinen - von Nachwirkungen der Derby-Schmach gegen Schalke 04 (0:2) war kaum etwas zu spüren. Trotz der Personalprobleme im Angriff angesichts der Verletzung von Michy Batshuayi fehlte auch das schwedische Supertalent Alex Isak im Aufgebot. Zu früh, denn Schiedsrichter Markus Schmidt erkannte den Treffer nach Videobeweis nicht an. Grund: eine Abseitsstellung. Doch die Turbulenzen sollten noch heftiger werden. Dann schob der Dortmunder beim Elfmeter Özcan den Ball in die Arme, Panagiotis Retsos hatte Pulisic gefoult.

Dortmund musste längst höher führen, musste sich längst unabhängig machen von den Unwägbarkeiten eines Fußballspiels. In der 51. Minute zwirbelte Reus das Leder genau ans Lattenkreuz. Wer zu hadern begann, durfte seine Nerven kurze Zeit später beruhigt sehen.

Der Leverkusener Widerstand war spätestens nach dem zweiten Gegentreffer gebrochen und so konnte sich Maximilian Philipp nach sehenswerter Vorarbeit von Sancho ebenfalls noch in die Torschützenliste eintragen (63). Dann sorgte Reus nach Götzes Zuspiel doch noch für die 2:0-Vorentscheidung. Leverkusen hat in den letzten Wochen einige Gegner zerlegt, die Hoffenheimer sind richtig gut unterwegs. Die beste - und einzige - Chance vergab Kai Havertz, der mit seinem Schuss aus elf Metern am stark reagierenden Romanm Bürki scheiterte (74.).

Anders als zuletzt zeigte der BVB Engagement, Ideen und Tempo. Statt des BVB muss nun die Werkself um den Einzug in die Königsklasse zittern, drei Spieltage vor Saisonende beträgt der Vorsprung auf den Tabellenfünften Hoffenheim nur noch zwei Zähler - bei schlechterem Torverhältnis. Jadon Sancho, Maximilian Philipp und Marco Reus trafen für den BVB, der sich in der zweiten Halbzeit in einen Rausch spielte.

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