Christian Sewing wird neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank

Sewing ist der erste Deutsche-Bank-Chef seit mehr als 15 Jahren, der sich seine Sporen nicht im Investmentbanking verdiente. Gefallen dürfte den Investmentbankern sein Appell, "unsere Jägermentalität" zurückzugewinnen und dadurch die Erträge zu steigern. Das Institut wolle sich in bestimmten Bereichen verstärken, sich aber aus Geschäftsfeldern zurückziehen, in denen nicht ausreichend rentabel gearbeitet werden könne. Die Ziele auf der Kosten- und Ertragsseite verfehlen - dafür möge es zwar hier und da gute Gründe gegeben haben, schreibt Sewing nun, aber das habe der Bank geschadet: "Das wird das Führungsteam nicht mehr akzeptieren".

Die Deutsche Bank werde sich auf ihre alte Stärke in der deutschen Industrie besinnen, hofft auch Aktionärsschützer Klaus Nieding. Die Messlatte müsse in allen Geschäftsbereichen höher gelegt werden. Der Start ins Jahr 2018 sei solide gewesen, "aber 'solide' darf nicht unser Anspruch sein". Sewing wird dieses düstere Kapitel der Konzerngeschichte schließen müssen, um alle Kraft für eine Wachstumsstrategie aufbringen zu können.

Recht ungeniert war in den vergangenen Wochen durchgesickert, dass Deutsche-Bank-Chefkontrolleur Paul Achleitner John Cryan an der Spitze des größten deutschen Geldhauses ersetzen will.

Weder dem Investmentbanker Jain, noch dem in der deutschen Wirtschaft bestens vernetzten Fitschen oder zuletzt dem scharfen Analytiker Cryan war es gelungen, die Geschäfte anzukurbeln.

Überraschend war nicht das Ausscheiden von John Cryan, das haben die Spatzen schon länger von den Dächern gepfiffen, für allgemeines Erstaunen hat die Wahl des Nachfolgers, Christian Sewing, gesorgt. Ein bisschen hört sich Sewings "Jägermentalität "auch so an, als ob er sich dafür schämt, dass er das Bankgeschäft als Lehrling in einer Bielefelder Filiale kennengelernt hat und nicht im internationalen Treiben des Investmentbankings".

Die Aktie der UBS beispielsweise hat sich in den letzten fünf Jahren mit elf Prozent Plus praktisch kaum von der Stelle bewegt. Vor allem auf der Kostenseite sollte Sewing zügig den Rotstift ansetzen.

Sewing übernimmt eine schwere Aufgabe bei einer Bank, die in der Verlustzone und im Imagetief steckt.

Auf 188,29 Millionen Euro Umsatz kam die Aktie bis um 17:45 Uhr. 2015 hatte die Deutsche Bank ein Rekordminus von rund 6,8 Milliarden Euro verbucht, für 2016 summierte sich das Minus auf 1,4 Milliarden Euro. Erst kosteten Rechtsstreitigkeiten in Zusammenhang mit US-Immobilienkrediten und Zinsmanipulationen am Libor die Bank Milliarden. Nun aber wird der komplette Vorstand durchgeschüttelt: Der Personalvorstand Karl von Rohr und nunmehr alleinige Co-Investmentbankingchef Garth Ritchie fungieren künftig als Vizechefs.

Der 47-jährige Sewing verbrachte sein Berufsleben fast ausschließlich bei der Deutschen Bank. Für den Prozess sind drei Monate angesetzt, mit einem Urteil wird im Sommer gerechnet.

Die Zahl der Mitarbeiter sank 2017 um 4656 Vollzeitkräfte. Aber am Ende verfügt die Deutsche Bank immer noch über einen Namen, der ihr auch hier auf dem Heimatmarkt helfen kann. Natürlich ist das eine Reaktion auf die große Neuigkeit, die das Geldhaus jetzt verkündet hat.

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