Echo-Debatte zieht Kreise - Weiterer Rücktritt im Beirat

Aus Empörung über die Würdigung der Rapper Kollegah und Farid Bang mit einem Echo-Musikpreis gibt der Musiker und Grafiker Klaus Voormann seine eigene Trophäe zurück. Safthersteller Voelkel kündigte am Mittwoch seinen Rückzug an, nannte als Grund die Debatte um die Rapper Kollegah und Farid Bang.

Die Echo-Preisträger zögen in einem prämierten Song "auf beschämende Weise Vergleiche zu Opfern des Holocausts", urteilte das Unternehmen Voelkel und sprach von einer schmerzhaften Grenzüberschreitung. "Sollte uns das Ergebnis nicht überzeugen, werden wir den bestehenden Sponsorvertrag bei diesem Event auf jeden Fall nicht fortführen".

Mehrere deutsche Musiker wie Campino, Peter Maffay sowie die Schweizerin Sophie Hunger kritisieren die Beiratsentscheidung als verantwortungslos und feige.

"Angesichts des wachsenden Antisemitismus hätte der Preis nie an Künstler gehen dürfen, die mit dem Holocaust in ihren Texten spielen und offensichtlich auch völlig uneinsichtig sind". Ohne Zweifel hätten manche Textzeilen viele Menschen tief verletzt.

Demnach betonte Voormann, er habe sich mit der Entscheidung ganz bewusst Zeit gelassen, habe die Texte des unter anderem wegen Antisemitismusvorwürfen umstrittenen Albums von Farid Bang und Kollegah gelesen, um sich so eine fundierte Meinung bilden zu können. Wenn ein Album indiziert ist, bedeutet das Einschränkungen in der Werbung und im Vertrieb. Der Ethikbeirat des Musikpreises habe es zur Verleihung zugelassen.

Dass diese Musik beim Echo preiswürdig ist, hatte heftige Kritik und eine Debatte um Antisemitismus ausgelöst. Ob das Album wie vorherige aus Jugendschutzgründen auf den Index kommt, ist nach Angaben der Bundesprüfstelle in Bonn noch offen. Er hätte den Preis den Musikern vor die Füße geworfen, so Illmann (59). Christian Höppner, Präsident des Deutschen Kulturrats und Mitglied des Echo-Beirats, hat unterdessen Fehler zugegeben. Illmann rief zudem dazu auf, das umstrittene Album zu boykottieren.

Charlotte Knobloch, die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, erklärte, die Einsicht des Bundesverbands Musikindustrie sei zögerlich und spät gekommen, "aber sie kam und lässt hoffen, dass eine glaubhafte Umkehr in Denken und Handeln zu erwarten ist".

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